Die Reisen des Anton H.

31. Oktober 2005, 11:45
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Aus den Wiener Verkehrsbetrieben ist Toni Hartl 1996 ausgestiegen, um in den Weinbau einzusteigen. Seine Weingärten liegen in Niederösterreich und im Burgenland

Weshalb alle lachen, wenn er das mit den Verkehrsbetrieben erwähne, kann - oder möchte - er sich (freundlicherweise) nicht erklären. "Ist aber Tatsache", erzählt er. Bis 1996 habe er fast sämtliche Tramway- und U-Bahn-Linien kreuz und quer durch Wien gelenkt und wurde schließlich zur Entwicklung der Niederflurwagen abgestellt. Einerseits unterstützte er mit seiner Arbeit den gemischt-landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern, die auch einen Heurigen betrieben. Der Rest wurde in Reisen in alle klassischen Weinbauländer investiert, wo er "richtig aufgesaugt hat, wieso und warum gewisse Dinge jetzt so gemacht werden".

Viereinhalb Hektar Rebflächen hatte er bei seinem Einstieg übernommen. Heute sind es 22, die auf zwei Bundesländer aufgeteilt sind. Etwa sechs Hektar befinden sich in Reisenberg im Wiener Becken, das der Thermenregion zuzurechnen ist, der Rest in Purbach im Burgenland, wo er einst "eineinhalb Hektar von einem kinderlosen Onkel pachtete, die er durch Zukauf und Tausch kontinuierlich vergrößerte.

Bis er das Fach "Getränkekunde" in der Ausbildung zur Gastronomie-Konzessionsprüfung belegte, interessierte ihn Wein nur am Rande. "Aber das hat dann einen Nerv getroffen", erzählt Hartl, der ursprünglich die landwirtschaftliche Fachschule Obersiebenbrunn bis zur Meisterprüfung absolvierte und 2004 auch die Diplomausbildung an der Weinakademie Österreich abschloss. Pinot Noir, Blauburgunder, sei "sicher mein Steckenpferd, allerdings ohne eine Sorte jetzt wirklich hervorheben zu wollen", so Hartl. "Er ist heikel und wenn man einen Betrieb beurteilen möchte, schaut man sich den Pinot Noir an."

Von den 22 Hektar stehen noch nicht alle Rebflächen in Ertrag, auch die kellertechnologische Entwicklung sein noch nicht ganz abgeschlossen. Die Verteilung, etwa drei Viertel Rot, drei Prozent Süßwein und der Rest weiß, werde er "in etwa so beibehalten". Beim Grünen Veltliner stehen zum Teil 47-jährige Anlagen zur Verfügung, die natürlich "gehegt und gepflegt" werden.

Die französischen Namen seiner Weine wie La Création für den Pinot Noir oder "Tout feu, tout flamme" für den Blaufränkisch, die in der einschlägigen Presse immer wieder besprochen werden, kämen in erster Linie aus einem familienmäßigen Zugang. "Mein Schwiegervater ist Franzose", so Hartl. "Und Frankreich ist immerhin ein Land mit sehr großer Weintradition." (ls, DER STANDARD, Printausgabe vom 18./19.12.2004)

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