Krank durch Materialverschleiß

19. Dezember 2004, 15:00
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Der Abrieb von künstlichen Gelenken, Schienen und Implantaten hat seine Tücken

Bonn - Forscher der Universität Bonn haben nachgewiesen, dass beim Verschleiß von künstlichen Gelenken, Schienen oder anderen Implantaten metallische Abrieb- und Korrosionsprodukte entstehen. Diese Substanzen haben Entzündungen in der Skelettmuskulatur zur Folge. Verschleißarme Werkstoffe gibt es bereits, weitere sollen aber noch entwickelt werden.

Das Forscherteam um den Orthopäden Clayton Kraft hat den Effekt von Titan- und Edelstahl-Abrieb auf die Skelettmuskulatur von Hamstern genauer unter die Lupe genommen. "Wir haben unter anderem beobachtet, dass nach Zugabe der Verschleißprodukte vermehrt weiße Blutkörperchen aus den Muskelgefäßen in das umliegende Gewebe wandern", erklärt Kraft. "Das ist eine typische Entzündungsreaktion", so der Experte. Weiße Blutkörperchen sind Zellen, mit denen der Körper beispielsweise Krankheitserreger attackiert. Gleichzeitig schütten die "Killerzellen" bestimmte Botenstoffe aus, die unter anderem bewirken können, dass Knochenmaterial abgebaut wird. Bei einer permanenten Entzündung, wie sie durch den Abrieb hervorgerufen wird, können sich die Prothesen daher mit der Zeit lockern. Dadurch kann sich ihre Lebensdauer deutlich verkürzen.

"Edelstahl-Abrieb wirkt nach unseren Beobachtungen weit stärker entzündungsfördernd als Titan-Abrieb", führt Kraft aus. Der Einsatz der teureren Titanprothesen dürfte sich daher letztlich rentieren. Der Experte meint, dass es Ziel sein müsse, möglichst verschleißarme Materialien zu entwickeln, die darüber hinaus auch noch gut verträglich sind. "Kobalt-Chrom-Molybdän ist beispielsweise ein sehr verschleißarmer Werkstoff. Der Abrieb wirkt aber noch stärker entzündungsfördernd als der von Edelstahl-Implantaten", erklärt der Fachmann. Für die veröffentlichte Studie erhielt der Forscher nun den mit 12.500 Euro dotierten Wissenschaftspreis der Arbeitsgemeinschaft für Endoprothetik.(pte)

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