Ganz Malawi leidet an Aids

17. Dezember 2004, 21:28
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HIV hat die Entwicklung des afrikanischen Landes lahm gelegt - Mit Infografik

Lilongwe/Wien - "Bei uns findet man nur Alte in den Krankenhäusern. In Malawi ist es umgekehrt. Dort liegen die 20-Jährigen im Spital und werden von ihren Eltern gepflegt" - Edith Kospach ist vor wenigen Tagen aus dem ostafrikanischen Land nach Wien zurückgekehrt. Die pensionierte Medizinisch-Technische Assistentin aus Wien hat dort für "Ärzte ohne Grenzen" (MsF, Médecins sans Frontières) eine Aids-Station mitaufgebaut. "Wir haben drei Stationen und mehrere Tausend Patienten dort. Ich habe die Labors verbessert, damit eine antiretrovirale Behandlung möglich ist", erzählt die 61-Jährige.

Leben verlängern

Aids ist das Problem Malawis. Zehn bis 25 Prozent der Bevölkerung (genauere Daten gibt es nicht) sind mit dem HI-Virus infiziert. Erst seit Kurzem wird die in Europa schon lange übliche Kombinationstherapie eingesetzt, um das Virus in Schach zu halten. Damit kann das Leben der Patienten verlängert werden. Und das ist schon etwas in einem Land, in dem ganze Generationen von Lehrern, Bauern, Fischern einfach wegsterben. Bildungseinrichtungen oder Gemeinden werden dadurch praktisch lahm gelegt.

Malawi ist eines der ärmsten Länder der Welt. Es gibt weder nennenswerte Ressourcen noch Infrastruktur. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen beträgt 150 US-Dollar. Die Menschen leben von Fischen und einer Mais-ernte im Jahr. Und von den Geldern, die internationale Geberländer überweisen (40 Prozent des Haushalts sind von der internationalen Gemeinschaft finanziert).

Politisch ist das Land am Malawisee für afrikanische Verhältnisse stabil und demokratisch. 1993 ist man friedlich - per Referendum - den jahrzehntelang herrschenden Diktator Hastings Banda los- geworden. Inzwischen haben die Malawier mehrfach frei gewählt, seit Mai 2004 ist Bingu wa Mutharika von United Democratic Front Staatspräsident in Lilongwe.

Kaum Perspektiven

Zukunftsperspektiven hat Malawi indes kaum: "Es ist ein wunderschönes Land. Man kann sich frei bewegen, die Menschen sind sehr freundlich. Vielleicht könnte man dort Projekte für sanften Tourismus lancieren. Aber selbst dann wird Malawi weiter von internationalen Geberländern und der Hilfe von internationalen Organisationen abhängig sein", sagt Edith Kospach. (pra/DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.12.2004)

Von Christoph Prantner

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    Die HIV-Epidemie in Malawi hat zur Folge, dass vor allem die Sarg-Hersteller Geschäfte machen.

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