Nach AK-Vorwürfen: Lutz zahlt Weihnachtsgelder nach

23. Dezember 2004, 14:44
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Der lange schwelende Konflikt zwischen Möbel Lutz und Arbeit- nehmervertretern ist jetzt öffentlich in die Luft gegangen

Wien/Wels - "Anonyme Hinweise darauf haben wir seit Langem gehabt", sagt Gewerkschaftssekretär Manfred Wolf im STANDARD-Gespräch, "doch jetzt gibt es erstmals Unterlagen darüber, dass bei Möbel Lutz offenbar eine Art Taglöhnersystem läuft." Die Arbeiterkammer Niederösterreich hat zwei Dutzend Fälle dokumentiert, die alle "nach einem Strickmuster" ablaufen, so AK-NÖ-Arbeitsrechtler Wolfgang Massl: Geringfügig Beschäftigte seien von Möbel Lutz je nach Bedarf tageweise an- und wieder abgemeldet und dabei im Glauben gelassen worden, sie hätten keine Ansprüche wie Urlaub oder Weihnachtsgeld.

"Subtilere Methoden"

Massl unterstellt ein System, aber: "Man darf sich das nicht so vorstellen wie beim Bundesheer, dass ein General das von oben befiehlt. Da gibt es subtilere Methoden, Kostenvorgaben oder Best-Practise-Modelle." Laut AK seien österreichweit mehr als 2500 Lutz-Mitarbeiter betroffen.

Lutz-Chef Hans-Jörg Schelling hat bereits reagiert: "Alle Fälle werden umgehend überprüft." Sollte jemandem Ansprüche nicht abgegolten worden sein, würde dies nachverrechnet werden, sagte der vor wenigen Tagen zurückgetretene St. Pöltner VP-Gemeinderat zum STANDARD. Für eventuelle Fehler entschuldigte er sich in einer Aussendung. Die Abrechnung der geringfügig Beschäftigten sei bisher nicht in der Welser Zentrale erledigt worden, nun will Schelling eine zusätzliche Kontrolle einrichten. Die "Pauschalvorwürfe der AK" weist er jedoch "aufs Schärfste zurück".

Treffen Staudinger-Schelling

Für Massl sind die ersten Reaktionen seitens Lutz "immerhin schon etwas". Der niederösterreichische AK-Präsident Josef Staudinger wird sich jedenfalls demnächst mit dem Lutz-Boss treffen.

Lutz ist der Gewerkschaft schon lange ein Dorn im Auge, weil das Unternehmen "betriebsratsfrei" ist, wie GPA-Sekretär Wolf formuliert. Die Firmenleitung argumentierte bisher stets damit, dass seine Mitarbeiter dies eben nicht wollen. AK-Mann Massl sagt dazu: "Wenn es keinen Betriebsrat gibt, gedeihen Gesetzesverstöße eben besser." Wolf betont: "Nicht nur Lutz, der Möbelhandel ist generell ein Problembereich für uns." Er fordert die Einrichtung einer Lutz-Task-Force, wie sie bei Rewe Austria (Billa, Merkur) seit einiger Zeit existiert, seit Vorwürfe über nicht gesetzeskonforme Entlohnung öffentlich geworden sind. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18./19.12.2004)

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