WWF will "Taten" statt "Worthülsen"

2. Februar 2005, 20:15
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Umweltorganisation kritisiert die UN-Klimakonferenz - auch Global 2000 und Klimabündnis vermissen konkrete Ergebnisse

Buenos Aires - Die Umweltorganisation WWF übte am Freitag Kritik an der 10. UNO-Klimakonferenz in Buenos Aires. Nach Ansicht des WWF zeichnen sich keine klaren internationalen Klimaschutzverpflichtungen ab. Selbst von Österreichs Umweltminister Josef Pröll (V) habe es kein klares Bekenntnis zu konkreten Maßnahmen nach 2012 gegeben. "Dieses Ergebnis ist eine tiefe Enttäuschung für die Millionen Menschen, die vom Klimawandel betroffen sind und lähmend für die Wirtschaft, die dringend klare Signale für die Zeit nach 2012 braucht", resümierte Markus Niedermair, WWF-Klimaexperte und Beobachter der Konferenz in Argentinien.

Mit dem Näherrücken des 16. Februars 2005, an dem das Kyoto-Protokoll in Kraft tritt, sei außerdem Nervosität bei Ländern spürbar, die ihre Kyoto-Ziele nicht erreichen, wie die Meldung Italiens zeige. Der WWF forderte daher die österreichische Bundesregierung sowie die Vertragsstaaten des Kyoto-Protokolls auf, sich nochmals klar zu diesen internationalen Klimaschutzrichtlinien zur CO2-Reduktion zu bekennen.

"Schwache Vorstellung"

Im Gegensatz zu anderen EU-Staaten wie Dänemark habe es von Minister Pröll kein klares Bekenntnis zu tief greifenden Klimaschutzmaßnahmen nach 2012 und kein Bekenntnis zum Kyoto-Abkommen gegeben, so der WWF in einer Aussendung vom Freitag. "Für ein Land, das für sich den Anspruch eines Umweltmusterlandes erhebt, ist dies eine schwache Vorstellung", sagte Stefan Moidl, Klima- und Energieexperte des WWF.

Unter den vagen und unpräzisen Aussagen von Vertretern der Industriestaaten hätten vor allem die ärmsten Länder zu leiden. "Taten sind gefragt, keine Worthülsen. Gehen die Verhandlungen zum internationalen Klimaschutz in diesem Tenor weiter, werden zahlreiche arme Länder von der weltweit drohenden Klimakatastrophe überrollt", mahnte Moidl.

Global 2000: "Erschreckende Bilanz"

Trotz dramatisch steigender Klimaschäden ist immer noch keine adäquate Klimaschutzpolitik in Sicht. Das ist nach Ansicht der Umweltorganisation Global 2000 "die erschreckende Bilanz" der 10. Weltklimakonferenz, die am Freitag in Buenos Aires zu Ende geht. "Weder in Österreich noch international ist es bisher gelungen, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren", sagte Global 2000-Klimaschutzexperte Karl Schellmann. Ähnlich unzufrieden mit dem Meeting in Argentinien zeigte sich das Klimabündnis Österreich.

Österreich sei heute von seinem Reduktionsziel so weit entfernt wie nie zuvor, so Schellmann. "Das halbherzige Auftreten von Umweltminister Josef Pröll (V, Anm.) in Buenos Aires illustriert die mangelnde Bereitschaft der österreichischen Regierung zu wirksamen Klimaschutzmaßnahmen." Weltweit habe die Klimaveränderung aber bereits massiv eingesetzt. Eine Million Tier- und Pflanzenarten drohen laut Global 2000 auszusterben, Millionen von Menschen werden ohne Trinkwasser leben müssen. Überflutungen, Wüstenbildung, Ausbreitung von Schädlingen und Krankheiten werden verstärkt zum Alltag gehören, prognostiziert die Umweltorganisation.

"Trotzdem werden keine wirksamen Gegenmaßnahmen ergriffen. In Österreich genehmigt Landwirtschaftsminister Pröll der Industrie drastische Emissionsanstiege und bezeichnet das zynischer Weise als Politik mit Augenmaß. Wirtschaftsminister Martin Bartenstein (V, Anm.) versucht mit allen Mitteln den Ökostrom abzudrehen, das Verkehrsministerium legt keine Alternativen zum motorisierten Straßenverkehr vor", kritisierte Schellmann.

Nichts Konkretes

Für das Klimabündnis ist das einzige konkrete Ergebnis der Konferenz, dass eventuell nächstes Jahr internationale Workshops, organisiert vom UN-Klimasekretariat, durchgeführt werden. Allerdings, so Wolfgang Mehl vom Klimabündnis, soll nach den Wünschen der USA und der OPEC-Staaten über die Ergebnisse dieser Workshops nicht einmal offiziell an die nächsten Klimakonferenzen berichtet werden dürfen. Von Aufbruchsstimmung in Richtung substanzieller internationaler Klimapolitik war in Buenos Aires, so Mehl in einer Aussendung, nichts zu bemerken. (APA)

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