Pandemieplan: Die Hauptpunkte der Organisation

23. Dezember 2004, 12:46
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Zeitlicher Ablauf der Krankheitswelle entscheidend

Wien - Der österreichische Influenza-Pandemieplan beinhaltet die wichtigsten und für ganz Österreich geltenden organisatorischen Regelungen. Hier die Hauptpunkte. Derzeit werden noch Anmerkungen der Bundesländer eingearbeitet:

  • Auf Bundes- und Landesebene werden Krisenstäbe eingerichtet (Gesundheitsbehörde, Influenza-Experten, Juristen, Pressebeauftragte - im Bedarfsfall Vertreter von Ärzte-, Apothekerkammer, Krankenversicherungen, NGOs)

  • Bei Alarm durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) - wenn ein neues Influenza-Virus aufgetaucht ist, das von Mensch zu Mensch weiter gegeben werden kann - sollten die Krisenstäbe binnen zwei Stunden zusammen treten können. Die Mitglieder haben 24 Stunden Bereitschaft.

  • Bei Vorliegen einer Influenza-Pandemie wird die Durchimpfung aller in Frage kommenden Österreicher angestrebt. Wegen der zeitlich gestaffelten Verfügbarkeit des möglichst schnell zu entwickelnden Vakzins gilt folgende Priorität:

    1) Personen mit erhöhtem Infektionsrisiko (Gesundheitswesen, Pflegedienste, Lehrer)

    2) Personen zur Aufrechterhaltung der Infrastruktur und der öffentlichen Sicherheit (Polizei, Bundesheer, Lebensmittel- und Wasserversorgung)

    3) Personen mit erhöhtem Komplikationsrisiko: Menschen z.B. mit chronischen Erkrankungen (Herz-Kreislauf etc.).

    Man rechnet für die erste Gruppe mit einem Bedarf von 500.000 Impfungen. Insgesamt wäre für die drei Gruppen ein Bedarf von drei Millionen Vakzin-Dosen gegeben. Der Generaldirektor für die Öffentliche Gesundheit, Dr. Hubert Hrabcik betonte allerdings, dass möglichst alle für die Impfung in Frage kommenden Österreicher geschützt werden sollten: sechs bis 6,5 Millionen Menschen.

    Zeitlicher Ablauf entscheidend

    Beim Auftauchen einer Influenza-Pandemie entscheidend sein wird auf jeden Fall der zeitliche Ablauf der Krankheitswelle. Der Generaldirektor für Öffentliche Gesundheit, Dr. Hubert Hrabcik: "Hier gibt es ein Szenario: Wenn ein neuer Virusstamm in Südostasien (laut Expertenmeinung wahrscheinlicher Fall, Anm.) auftaucht, haben wir vielleicht noch durchaus sechs bis acht Wochen Zeit, bis die Influenza Europa erreicht. Anders ist das, wenn der erste Fall schon in Europa auftaucht."

    Jedenfalls - das hat die internationale Staatengemeinschaft aus der SARS-Problematik gelernt - wird wohl im Fall des Falles der internationale Flugverkehr in und aus jenem Land, in dem eine neue Influenza entstanden ist, "abgedreht" werden. Das müsste die Verbreitung zumindest verlangsamen.

    Kein Panik-Grund

    Doch auch wenn es sich bei einer Influenza-Pandemie um eine weltweite Krise handelt, für Panikreaktionen in Österreich ist kein Grund vorhanden. Die medizinische Versorgung ist so gut, dass sie die ärgsten Konsequenzen abfangen können müsste. Hrabcik: "Es macht ganz sicher einen Unterschied, ob jemand in einem Land der Dritten Welt erkrankt oder in einem hoch technisierten österreichischen Spital betreut wird." (APA)

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