Erstmals seit 84/85 überwintern zwei Klubs

7. Februar 2005, 14:32
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Rushfeldt beförderte mit seinem ersten Europacup-Treffer für Austria Violette ins vorweihnachtliche Glück

Utrecht - Der österreichische Fußball hängt heuer voller Weihnachtsglocken. Erstmals nach 20 Jahren überwintern gleich zwei ÖFB-Vereine im Europacup. 24 Stunden nach Double-Gewinner Liebherr GAK gegen AZ Alkmaar schaffte auch Austria Magna mit dem hart erkämpften 2:1 auswärts gegen den FC Utrecht den UEFA-Cup-Aufstieg in die Runde der letzten 32. Mehr als einen Klub hatte Österreich zuletzt im Frühjahr 1985 noch im internationalen Geschäft. Damals rutschten Austria und Rapid als aktuelle Europacup-Teilnehmer ins Neue Jahr!

Während die Hütteldorfer später bis ins Cupsieger-Endspiel (1:3 gegen Everton) vorgedrungen waren, hatte es für die Favoritner schon im Meistercup-Viertelfinale (Liverpool) Abschied nehmen geheißen. Seit damals welkten die Veilchen stets schon im Herbst. Umso größer war die Erleichterung nach der Beendigung dieser Negativ-Serie im Galgenwaard-Stadion. Die Austrianer fielen einander mit dem Schlusspfiff in die Arme und wurden von den rund 400 mitgereisten Fans stürmisch gefeiert.

"Mit Freude auf wohlverdienten Urlaub"

Sigurd Rushfeldt hatte im Finish mit seinem ersten Europacup-Treffer für die Austria die Violetten ins Fußball-Glück befördert. "Endlich ist der Bann gebrochen", freute sich der Norsker nach seinem insgesamt 14. Europacup-Goal. Radoslaw Gilewicz, der das 1:0 durch Sionko vor der Pause mustergültig vorbereitet und die bisher einzigen zwei Gruppen-Tore erzielt hatte, posaunte, was sich alle seine Kollegen auch in der Stunde des Triumphes dachten: "Jetzt fahren wir mit Freude auf wohlverdienten Urlaub."

Ernst Dospel, der nach dem Ausgleich der Hausherren und des FC Brügge gegen Real Saragossa seine Kameraden lautstark aufgefordert hatte, nochmals Gas zu geben, sprach von einem "verdienten Aufstieg". Der Kapitän sagte: "Da hat man die Moral der Mannschaft gesehen. Der Aufstieg war der I-Punkt auf das, was wir im Herbst geleistet haben." Während das Gros seiner Mitspieler den VfB Stuttgart als Wunsch-Gegner genannt hatte, war der Verteidiger vor allem froh, dass Dynamo Kiew und Schachtjor Donezk erspart blieben.

"Haben nicht unverdient gewonnen"

Der vielleicht größte Stein vom Herzen gefallen ist Günter Kronsteiner. "Nach dem Ausgleich der Utrechter hatte ich befürchtet, dass das Spiel noch kippen könnte. Doch der große Wille zum Sieg hat den Ausschlag gegeben, wir haben nicht unverdient gewonnen", resümierte der Sportdirektor. Er sei im Finish völlig cool geblieben und habe seine Leute auf der Bank sogar beruhigen müssen. Das nicht alles eitel Wonne war im violetten Spiel, war nicht zu übersehen gewesen.

Vor allem die Defensiv-Arbeit funktionierte nicht nach Wunsch, da ging der gesperrte Kiesenebner stark ab. Die Gäste hätten sich das Leben leichter machen können, hatten nach der 1:0-Führung ihre Konter nicht mit der nötigen Konzentration abgeschlossen. "Darauf habe ich auch in der Pause deutlich aufmerksam gemacht", so Kronsteiner, der nochmals auf die Fortschritte seiner Truppe in diesem Herbst hinwies. "Wir haben mit dem Vorstoß in der Rangliste von Platz 183 auf 62 den Anschluss an Europa hergestellt, mit dem Aufstieg machen wir wieder einen Schritt vorwärts."

Der FC Utrecht, der schon drei Mal für ÖFB-Vereine zum Stolperstein geworden war, kassierte in vier Spielen vier Niederlagen und erzielte nur zwei Tore. "Diesmal hätten wir mehr verdient als das 1:2. Die zweite Hälfte war von uns gut, aber glücklos", meinte Trainer Foeke Booy. Die Austria, die von ihren bisherigen acht UEFA-Cup-Spielen nur eines (1:2) verlor, hätte aus den wenigen Chancen zwei Tore gemacht. "Unser Fehler wurden in allen vier Partien bestraft, aber wir schlugen aus Patzern der Gegner kein Kapital." (APA)

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    Sionko wurde bei der Rückkehr nach Wien von den Fans geherzt.

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