Schauspieler Willy Eichberger 97-jährig gestorben

23. Dezember 2004, 19:32
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Unter dem Namen Carl Esmond arbeitete der in Wien Geborene in Großbritannien und den USA

Washington - Der aus Österreich stammende Schauspieler Willy Eichberger, der unter dem Namen Carl Esmond in Großbritannien und seiner zur zweiten Heimat gewordenen Zuflucht USA bekannt wurde, ist am 4. Dezember in Brentwood in Kalifornien gestorben. Laut einem Bericht der "Los Angeles Times" war er 97 Jahre alt, die Angaben zu seinem Geburtsdatum in anderen Quellen variieren allerdings stark. Rudolf Ulrichs Standardwerk "Österreicher in Hollywood" gibt den 14. Juni 1902 an. Eichberger wurde in Wien als Carl Cäsar Willy Simon geboren. Sein Vater war Jude und starb 1942 im Konzentrationslager Theresienstadt.

Willy Eichberger, der den Namen seiner Mutter angenommen hatte, kam im Jänner 1938 nach Hollywood zu einem Engagement für MGM. "Ich hab mir gedacht, für ein Jahr kann ich's mir anschauen, dann gehe ich zurück nach Europa", sagte er laut einer Biographie. Wegen der Machtübernahme der Nazis in Österreich und des Zweiten Weltkriegs konnte er nicht mehr zurückkehren. Der Flüchtling mit dem österreichischen Akzent spielte bald in US-Filmen Nazis.

Künstlerischer Werdegang

Seine Bühnenkarriere begann er 1927/28 am Wiener Burgtheater, es folgten die Tonfilme "Kaiserwalzer" (1932, Friedrich Zelnik) und "Liebelei" (1933, Max Ophüls) nach Arthur Schnitzler. Eichbergers Paraderolle war der Liebhaber. Seine internationale Karriere begann Eichberger im Winter Garden Theatre in London. 1934/35 spielte er unter dem später auch in den USA verwendeten Namen Carl Esmond in drei britischen Filmmusicals. Als Darsteller des Prinzgemahls Albert in Laurence Housmans Stück "Victoria Regina" (1937) wurde er von MGM entdeckt und unter Vertrag genommen.

Die USA wurden dem Wiener zur Wahlheimat. Als Debütant bei MGM im Antikriegsdrama "The Dawn Patrol" spielte Esmond neben Errol Flynn ein dem "Roten Baron" Manfred Richthofen nachempfundenes deutsches Fliegerass. Zahlreiche Filme mit Leinwand-Größen wie Spencer Tracy, Katharine Hepburn, Hedy Lamarr und Gregory Peck folgten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Eichberger ein Angebot aus Deutschland und spielte im Film "Liebeserwachen" (1953) und in Ophüls "Lola Montez" (1955) mit. Sein letzter Auftritt war in der Verfilmung der Lebensgeschichte von Errol Flynn "My wicked, wicked ways" (1985).(APA)

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