Vorstand hält Siemens-Angebot für nicht angemessen

17. Dezember 2004, 19:02
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Kein Kommentar von Siemens - Ergebnisprognose für 2005 angehoben - Aktie springt auf 59 Euro - "Beträchtlicher Personalabbau möglich"

Wien - Zum Übernahmeangebot von Siemens an die Aktionäre der VA Tech liegt jetzt vom Vorstand des Linzer Anlagenbauers die mit Spannung erwartete Stellungnahme vor. Das Offert wird zwar neutral eingestuft, indem Argumente sowohl für als auch gegen die Annahme vorgebracht werden. Den gebotenen Preis von 55 Euro je Aktie aber hält der Vorstand, der heute seine Ergebnisprognose für 2005 angehoben hat, auf Basis einer Bewertungsanalyse der US-Investmentbank JP Morgan aus wirtschaftlicher Sicht für nicht angemessen.

Neben dem "nicht angemessenen" Angebotspreis spreche gegen die Annahme, dass "die VA Tech mit Siemens in drei der vier Unternehmensbereiche (Energieerzeugung, Energieübertragung und -verteilung, Infrastruktur) in direkter Konkurrenz mit überlappenden Absatzmärkten und Standorten insbesondere in Europa steht". Dies entspreche rund drei Viertel des VA Tech-Umsatzes. "Daraus kann möglicherweise ein beträchtlicher Personalabbau resultieren", gibt das Management zu bedenken.

"Von uns gibt es dazu keinen Kommentar", sagte ein Siemens-Sprecher am Freitag. Angesprochen auf eine mögliche Nachbesserung des Offerts verwies er lediglich auf jüngste Aussagen von Siemens Österreich-General Albert Hochleitner, der am Mittwoch erklärt hatte: "Wir sind überzeugt, dass wir ein vernünftiges Angebot gelegt haben. Ich glaube nicht, dass wir erhöhen müssen."

Nachbesserung

Im Markt wird indes weiter auf eine Nachbesserung spekuliert. Im heutigen Frühhandel notierte die VA Tech-Aktie mit 59 Euro um 1,3 Prozent höher und damit um rund 6 Prozent nach wie vor über dem Angebotspreis von Siemens.

Die Einschätzung des VA Tech-Vorstands und dessen Beraters JP Morgan, das Offert sei nicht angemessen, wird auch vom Wirtschaftsprüfer der VA Tech, Ernst & Young, bei seiner Beurteilung als unabhängiger Sachverständiger geteilt.

Basis der veröffentlichten Analysten-Reports

Wie es in der heutigen Stellungnahme des VA Tech-Managements hieß, sei der von Siemens angebotene Übernahmepreis auf Basis von veröffentlichten Analysten-Reports ermittelt worden. Die Erwartung für den Jahresüberschuss 2005 liege in diesen Reports bei durchschnittlich rund 54 Mio. Euro. Demgegenüber geht der VA Tech-Vorstand "auf Basis vorsichtiger Annahmen" derzeit aber von einem rund 22 Prozent höheren Jahresüberschuss von 66 Mio. Euro für 2005 aus. Bisher war ein Nettogewinn von mindestens 50 Mio. Euro in Aussicht gestellt worden.

Wie der Vorstand bisher angekündigt hat, wird die VA Tech unter dem Strich 65 bis 70 Mio. Euro Verlust einfahren. Um die für 2005 erwartete Ergebnisverbesserung zu erreichen oder diese Annahme zu übertreffen, habe man eine "solide Basis geschaffen", so der Vorstand.

Wesentlicher Eckpfeiler dafür sei der erfolgreiche Abschluss des Sanierungsprogramms in diesem Jahr - mit dem Ergebnis einer signifikant reduzierte Fixkostenbasis und dem Verkauf beziehungsweise der Schließung von nicht-profitablen Einheiten. Ein weiterer Eckpfeiler sei der gute Auftragseingang 2004 (4,13 Mrd. Euro per Ende November, ein rund 10-prozentiges Plus gegenüber dem Vorjahr), der den Effekt habe, dass schon jetzt rund 70 Prozent der für 2005 geplanten Umsätze durch den Auftragsstand abgesichert sind.(APA)

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    Im Markt wird weiter auf eine Nachbesserung des Siemens-Angebots für die VA Tech spekuliert.

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