Traiskirchen mit Conti im Millionenstreit

17. Dezember 2004, 19:38
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Hannes Androsch unterstützt den Plan, doch Conti will dreimal mehr Geld, als die Gemeinde zu geben bereit ist

Traiskirchen will das Semperitwerk kaufen, das die Firma Conti schließen ließ. Hannes Androsch unterstützt den Plan, doch Conti will dreimal mehr Geld, als die Gemeinde zu geben bereit ist.

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Traiskirchen - Einmal müsse es ein Ende haben mit "Beleidigtsein und Revanchegelüsten", meint der Traiskirchener Bürgermeister Fritz Knotzer (SP). Deshalb blicke er "mit Pragmatismus" den kommenden Verhandlungsrunden mit der Firma Conti entgegen: "Das Firmenareal gehört ihnen, die Gemeinde will es nutzen. Also werden wir uns auf einen realistischen Kaufpreis einigen "

Was dessen reale Höhe angeht, differieren die Vorstellungen jedoch noch ziemlich stark: Zehn Millionen Euro fordert der deutsche Konzern, der vor drei Jahren die traditionsreiche Semperit-Reifenproduktion in Traiskirchen eingestellt und damit 1350 Beschäftigte um ihren Job gebracht hat, für das 200.000 Quadratmeter große Grundstück. 3,5 Millionen Euro ist Knotzer zu zahlen bereit - im Namen seiner Gemeinde und unter Bedachtnahme einer Vergleichssumme, die vor fünf Jahren den Besitzer gewechselt hat.

Reifenprüfungsgelände

Damals, 1999, kaufte die unweit Traiskirchen gelegene Gemeinde Kottingbrunn gemeinsam mit der niederösterreichischen Wirtschaftsagentur, Eco Plus, Conti das 400.000 Quadratmeter große Reifenprüfungsgelände ab. Um sieben Millionen Euro; das halb so große Traiskirchener Gelände müsste also zum halben Preis zu bekommen sein, meint der Bürgermeister.

Auf dem Kottingbrunner Gelände, das mittlerweile für Betriebsansiedlungen komplett erschlossen worden ist, soll sich in naher Zukunft unter anderem ein Logistikcenter niederlassen. Für Arbeitssuchende im Bezirk ein Hoffnungsschimmer: Überhaupt beginne es in der in den vergangenen zehn Jahren von Firmenabwanderung gebeutelten Region "jetzt langsam wieder besser zu werden", meint Knotzer.

Dieser Entwicklung möchte er durch Aufbau eines "Technikzentrums" auf dem ehemaligen Traiskirchener Reifenfirmenareal weiteren Auftrieb geben. Und zwar mit Hilfe eines prominenten Helfers: Des Industriellen und SP-Parteigenossen Hannes Androsch, der die Traiskirchener Semperit-Reifenproduktion im Jahr 1996 durch Unterstützung deren Verkaufs an Conti zu retten suchte.

Öl teuer zu entsorgen

Gemeinsam mit Androsch reiste er zu Conti nach Deutschland. "Wir werden weiter verhandeln, um einen erträglich Grundstückspreis zu erzielen", meint dieser im STANDARD-Gespräch. Über mögliche Firmenansiedlungspläne schweigt er lieber: "Wo ich nicht einmal weiß, ob ich das Areal bekomme". Die Dissonanzen zwischen Gemeinde und Konzern nämlich haben einen umweltpolitischen Hintergrund: Unklar ist, wer bei einem Verkauf für die Sanierung des stark Öl verseuchten Bodens unter Halle 32 des Geländes aufkommen soll. (Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe 17.12.2004)

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