"Gentoxische" Handy-Strahlung

22. Dezember 2004, 12:40
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Labor-Studie zeigte Schäden und Veränderungen im Erbgut durch elektromagnetische Felder - Übertragbarkeit auf Lebewesen jedoch nicht erweisbar

München - Eine überwiegend von der Europäischen Union finanzierte Studie belegt nach Angaben der Forscher erstmals im Labor Schäden und Veränderungen von Genen durch Handystrahlung. "Im Laufe der Untersuchung stellte sich heraus, dass elektromagnetische Felder bei einer Reihe von Zellen Schädigungen bewirken", sagte der Koordinator der Studie, Franz Adlkofer. "Mit anderen Worten: Elektromagnetische Felder sind gentoxisch." Was dies nun aber konkret für den Menschen bedeute, sei noch offen.

Kein Beweis - doch generelles Verneinen der Schädlichkeit widerlegt

Versuche im Reagenzglas seien nicht auf Lebewesen übertragbar, folglich sei kein Beweis erbracht, dass Handy-Strahlung für Menschen schädlich sei, sagte der Wissenschafter. Die Behauptung der Industrie, es seien keine Mechanismen der Schädigung durch elektromagnetische Felder bekannt, werde jedoch klar widerlegt. Adlkofer warnte vor Panik und mahnte weitere Forschung an.

Adlkofer ist Geschäftsführer der einst vom Verband der Cigarettenindustrie gegründeten Verum Stiftung in München, die sich der Erforschung von Auswirkungen von menschlichen Verhaltensweisen und der Umwelt auf die Gesundheit verschrieben hat. Zu der so genannte "Reflex-Studie", die sich mit der Handy-Strahlung befasste, trugen zwölf Forscherteams aus sieben Nationen bei.

"Reflex"

Die Bezeichnung "Reflex" steht für "Risk Evaluation of Potential Environmental Hazards from Low Energy Electro-magnetic Field (EMF) Exposure Using Sensitive in vitro Methods". Die Studie, die im Jahr 2000 begann und im Mai 2004 abgeschlossen wurde, untersuchte Adlkofer zufolge elektromagnetische Felder, deren Intensität im Rahmen der gesetzlichen Grenzwerte lag. Getestet wurde die Auswirkung auf verschieden Zelltypen von Menschen und Ratten.

Adlkofer zufolge wurden - je nach Zelltyp und Dauer des elektromagnetischen Feldes - mit unter erhebliche DNA-Schäden festgestellt. Diese wurden häufig, aber keineswegs immer von der Zelle repariert. "Es blieben Schäden für die nachfolgenden Generationen übrig", sagte der Projektleiter. Damit habe sich die Veränderung praktisch fortgepflanzt. Solche Prozesse könnten womöglich Ausgangspunkt für Krebserkrankungen sein. Derzeit werde in der Wissenschaft auch spekuliert, ob hierin eine Ursache für das Entstehen von Alzheimer liege.

Weitere Forschung nötig

Nach Ansicht Adlkofers wird es auch unter guten Voraussetzung sicherlich noch vier bis fünf Jahre dauern, bis ernsthafte Ergebnisse zu den Auswirkungen von Handy-Strahlung auf den Menschen vorhanden seien. Er selbst glaube nicht, dass das Risiko - falls vorhanden - groß sei, sagte er.(APA/Reuters)

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