Zukunftsfähige Gesundheitssysteme

    16. Dezember 2004, 20:59
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    Der Stellenwert von Gesundheit in internationalen, europäischen und nationalen Strategien und Programmen

    Nachhaltigkeit und Gesundheit bedingen einander

    In der Strategie der Europäischen Union für die nachhaltige Entwicklung haben vier der sechs beschriebenen größten Gefahren, die das Wohlergehen der Gesellschaft ernsthaft gefährden, einen direkten Bezug zur öffentlichen Gesundheit bzw. zum Gesundheitssystem (Europäischer Rat 2001). Auf der 2. Europakonferenz "Umwelt und Gesundheit" (Helsinki 1994) wurde von den europäischen Mitgliedsstaaten der WHO die Entwicklung eigener "Nationaler Umwelt- und Gesundheitsaktionsprogramme" (NEHAPs) beschlossen, auf der 3. Europakonferenz "Umwelt und Gesundheit" (London 1999) wurde die Umsetzung der NEHAPS in Form "Lokaler Aktionsplänen für Umwelt und Gesundheit" (LEHAPs) vereinbart.

    In der "Österreichischen Strategie zur Nachhaltigen Entwicklung" werden die enormen sozialen und gesundheitspolitischen Auswirkungen des Verkehrs und die Zunahme von Zivilisationskrankheiten besonders hervorgehoben. Zur speziellen Förderung von Kindern wurde der "Europäische Kinder-Umwelt-Gesundheits-Aktionsplan" an der 4. pan-europäischen Umwelt- und Gesundheitsministerkonferenz der WHO (Budapest 2004) als Empfehlung und Handlungsrahmen für einen österreichischen Aktionsplan angenommen. Der österreichische Aktionsplan 2004, der über 80 Maßnahmen umfasst, setzt weitere gesundheitspolitische Schwerpunkte bei gesunder Ernährung und Gesundheitsbildung.

    Gesundheit und Gesundheitsförderung

    "Gesundheit wird von Menschen in ihrer alltäglichen Umwelt geschaffen und gelebt: dort wo sie spielen, lernen, arbeiten und lieben" (Ottawa Charta, 1986).

    Unter dem Begriff Gesundheitsförderung hat die WHO 1986 in der Ottawa-Charta eine Strategie zur gesellschaftlichen Sicherung und Vergrößerung von Gesundheit formuliert, die sowohl die Verbesserung von gesundheitsrelevanten Lebensweisen wie von gesundheitsrelevanten Lebensbedingungen umfasst. Sie definiert dafür fünf prioritäre Handlungsbereiche: Die Entwicklung einer gesundheitsfördernden Gesamtpolitik, die Schaffung gesundheitsförderlicher Lebenswelten, die Unterstützung gesundheitsbezogener Gemeinschaftsaktionen, die Entwicklung persönlicher Kompetenzen, sowie eine Neuorientierung der Gesundheitsdienste (WHO 1993).

    Das Konzept hat in den letzten zehn Jahren erfreuliche Resonanz erlangt. In großen internationalen Konferenzen (Ottawa 1986; Adelaide 1988; Sundsvall 1991; Jakarta 1997) und dort verabschiedeten Empfehlungen wurde diese Strategie konzeptionell weiterentwickelt und in einer Reihe von Interventionsprojekten und Netzwerken auch praktisch erprobt sowie in Ansätzen evaluiert.

    Zukunftsfähige Gesundheitssysteme

    Die Gesellschaft benötigt als eine Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung zukunftsfähige Gesundheits- bzw. Krankenbehandlungssysteme. Auch die Kernorganisation Krankenhaus ist damit vor neue Herausforderungen gestellt. Organisationsentwicklungsinitiativen zur Schaffung des "Nachhaltigen Krankenhauses" erproben modellhaft eine Übertragung des Nachhaltigkeitskonzepts auf organisatorischer Ebene.

    Neue Rollen für BenutzerInnen: Partizipation und Empowerment

    In der "Österreichischen Strategie zur Nachhaltigen Entwicklung" ist ausgeführt, dass nachhaltige Entwicklung nur durch gemeinsames Engagement und Partizipation erfolgreich möglich sein kann und eine Stärkung der Teilhabe an politischen Gestaltungs- und Entscheidungsprozessen weiterzuentwickeln ist. Der Weg der Zukunft heißt Partizipation. Im Gesundheitsbereich bedeutet dies die Gestaltung eines strukturierten, gleichberechtigten Miteinanders aller beteiligten Akteure. PatientInnen waren bis dato in einer relativ schwachen Position. Durch Empowerment soll dies verändert werden.

    Neue Trends: Wellness und Schönheit

    Ein neuer, vorwiegend privater Gesundheitsmarkt mit Wellness und Schönheit im Angebot wächst rapide an. Ein für KonsumentInnen zunehmend unüberblickbares Angebot verspricht Schönheit und Wohlbefinden. Das Problem: Qualitätssicherungssysteme des Gesundheitssystems kommen kaum zur Anwendung, Begriffe sind nicht geschützt. Was brauchen diese Märkte, um sich qualitätsgesichert zu entwickeln?

    Der Stellenwert von Gesundheit in internationalen, europäischen und nationalen Strategien und Programmen, mit innovativen Konzepten im Gesundheitssystem (Gesundheits- förderung, Partizipation, Organisations- entwicklung) und den neuen Trends außerhalb traditioneller Gesundheitssysteme Wellness und Schönheit ist das "Thema des Monats" Dezember 2004 im Internetportal

    Logo: Nachhaltigkeit.at
    Eine Initiative des Lebensministeriums



    Die Autorinnen:

    Mag. Dr. Ursula Trummer, Ludwig Boltzmann Institut für Medizin und Gesundheits- soziologie

    Mag. Ulli Weisz, Fakultät für Interdis- ziplinäre Forschung und Fortbildung, Universität Klagenfurt, Standort Wien, Institut für Soziale Ökologie

    Direkt-Link zum Monatsthema 12/2004
    (mit Text-Vollversion und weiterführenden Informationen)
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