Ratschläge: "Wie überlebe ich eine Christmas-Party?"

25. Dezember 2004, 12:41
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Im britischen Büro in der Adventzeit besäuft man sich, und zwar hemmungslos - die Gewerkschaft warnt vor wilden Orgien

Betriebsweihnachtsfeiern in Großbritannien haben so gar nichts mit geweihter Nacht zu tun. Die Stimmung erinnert an Karneval. Man verkleidet sich, singt, tanzt, der Alkohol fließt in Strömen - man besäuft sich, und zwar hemmungslos. Kein Wunder, dass die Zeitungen im Dezember vielspaltig gute Ratschläge drucken. Motto: "Wie überlebe ich eine Christmas-Party?"

Dinge so nüchtern wie möglich zu sehen

Ein Mittdreißiger namens Martin Beeson, der seine Tipps auf einer ganzen Seite ausbreiten darf, mahnt als Erstes, die Dinge so nüchtern wie möglich zu sehen: "Jeder ist betrunken, auch du. Regel Nummer eins: Fang nichts an mit Leuten, die noch betrunkener sind als du selbst."

Schauplatz wildester Orgien

Weil das britische Büro in der Adventzeit schnell zum Schauplatz wildester Orgien mutieren kann, musste sich jetzt sogar der Gewerkschaftsverband TUC einschalten: mit dreiseitiger Regelkunde, dem "Office Party Planner".

Mistelzweige und sexuelle Belästigung

"Keine Luftballons!", wird dort gewarnt. Manch einer leide an einer Latexallergie, Luftballons könnten tödlich wirken. Und der Mistelzweig? "Lieber auch nicht aufhängen!" Stehen Frauen unter der Mistel, darf man sie nach altem Brauch küssen. Neuerdings aber werden die Gerichte gerade nach Weihnachtsfeiern mit Klagen wegen sexueller Belästigung überhäuft.

Eine Londoner Anwaltskanzlei musste vor Kurzem 1,5 Millionen Euro Entschädigung an Elizabeth Weston zahlen: Ein Chef hatte sich abfällig über den Busen der Juristin geäußert - ob unterm Mistelzweig oder daneben, war nicht restlos zu klären.

Tischtänze

Bürotische sind keineswegs so stabil wie das Mobiliar einer Kneipe, gibt der TUC zu bedenken. Ergo: "Nicht auf dem Tisch tanzen, das könnte sowohl dem Tisch als auch Ihnen wehtun."

Wettbewerb am Kopierer

Schließlich das leidige Thema Fotokopierer. Zu vorgerückter Stunde pflegt so manche Betriebsfeier das merkwürdige Ritual, intime Körperteile unverhüllt zu kopieren. Eine Art Wettbewerb.

Das hat schon zu bösen Unfällen geführt, was die gewerkschaftlichen Regelkundler nunmehr zu deutlichen Worten veranlasst: "Bleiben Sie dem Kopierer fern. Wenn die Scheibe bricht, riskieren Sie Glassplitter an empfindlichen Stellen." (Frank Herrmann aus London, DER STANDARD Printausgabe 17.12.2004)

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    Im britischen Büro in der Adventzeit besäuft man sich, und zwar hemmungslos - der Gewerkschaftsverband gab nun einen dreisseitigen "Office Party Planner" heraus

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