Tochter wird trotz US-Urteils zwangsversteigert

19. Dezember 2004, 16:25
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Verkauf des wichtigsten Förderbetriebes bedeutet die Zerschlagung des Konzerns von Michail Chodorkowski

Moskau/Washington - Der russische Staat wird den Yukos-Ölförderer Juganskneftegas ungeachtet eines US-Gerichtsurteils am Sonntag (19. Dezember) zwangsversteigern. Im Fall Yukos gelte ausschließlich russisches Recht, sagte Außenminister Sergej Lawrow am Freitag in Moskau. Auf Antrag des Yukos-Vorstands hatte ein US-Konkursgericht in Houston (Texas) am Donnerstagabend (Ortszeit) einen Aufschub der Versteigerung um zehn Tage verfügt.

Wegen des Urteils legte ein Bankenkonsortium, dem angeblich die Deutsche Bank, BNP Paribas und JP Morgan angehören, einen Kredit für den staatsnahen russischen Energieriesen Gasprom zur Finanzierung des Kaufs zunächst auf Eis. Das meldeten russische Agenturen unter Berufung auf Finanzkreise in Paris und London.

Zerschlagung des Konzerns

Der Verkauf des wichtigsten Förderbetriebes, der 60 Prozent des Yukos-Öls produziert, bedeutet die Zerschlagung des Konzerns von Michail Chodorkowski. Die Gasprom-Ölsparte Gaspromneft erklärte, sie werde trotz des Richterspruchs um Juganskneftegas bieten.

Der russische Staat fordert mindestens 246,7 Mrd. Rubel (6,6 Mrd. Euro) für einen Anteil von 76,7 Prozent an Juganskneftegas, obwohl das westsibirische Unternehmen nach unabhängigen Schätzungen doppelt so viel wert ist. Mit dem Erlös soll ein Teil der 20 Mrd. Euro Steuernachforderungen und Strafen gegen Yukos eingetrieben werden. Der russische Fonds für Staatsvermögen setzte am Freitag die Vorbereitungen der Auktion fort.

Einstweilige Verfügung

In Houston untersagte Richterin Leticia Clark mit einer Einstweiligen Verfügung für zehn Tage alle Veränderungen an der Besitzerstruktur von Yukos. Anleger in Russland und den USA müssten sicher sein können, "dass ihre Investitionen nicht Enteignungsmaßnahmen seitens der Regierungsbehörden unterliegen", erklärte Clark. Ihr Urteil bezog sich indes nur auf mögliche Käufer und Geldgeber, aber nicht auf den russischen Staat. Yukos hatte in Texas Insolvenz erklärt und nach Kapitel 11 des US-Konkursrechtes Gläubigerschutz beantragt, um eine Zerschlagung doch noch abzuwenden.

Das Bankenkonsortium war bei der Verhandlung in Houston zwar vertreten, gab aber keinen Kommentar zu dem Spruch ab. Für die Geldhäuser stieg das Risiko milliardenschwerer Klagen, mit denen der Yukos-Eigner, die Finanzgruppe Menatep, droht. Experten schlossen deshalb eine Erhöhung des Zinssatzes nicht aus.

Alle Versuche des Yukos-Managements, in Russland die Insolvenz zu erklären und damit eine Art Gläubigerschutz zu erhalten, waren zuvor fehlgeschlagen. Die russischen Behörden untersagten eine für Montag (20. Dezember) geplante Yukos-Hauptversammlung. Dort hätten die Aktionäre über die Insolvenz oder Liquidation von Yukos abstimmen sollen. Eine für 13. Jänner geplante Versammlung der Teilhaber wurde abgesagt. Ermittler der Generalstaatsanwaltschaft durchsuchten am Donnerstagabend erneut die Yukos-Zentrale in Moskau und nahmen den Personalchef Anton Sacharow fest.(APA/dpa)

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