Kuba: Dissidentin flüchtete in argentinische Botschaft

19. Dezember 2004, 12:27
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Molina will offenbar Ausreise zu Sohn in Argentinien erzwingen

Havanna/Buenos Aires - Offenbar um eine Reise zu ihrem in Argentinien lebenden Sohn zu erzwingen, ist die kubanische Dissidentin Hilda Molina in die argentinische Botschaft in Havanna geflüchtet. Die 61-Jährige, die seit zehn Jahren für eine Ausreisegenehmigung kämpft, befinde sich in der Botschaft, sagte der Vorsitzende des Außenausschusses des argentinischen Parlaments, Jorge Arguello, am Donnerstag in Buenos Aires der Nachrichtenagentur AFP.

Die argentinische Zeitung "La Nación" berichtete auf ihrer Internetseite, die Neurochirurgin sei zusammen mit ihrer Mutter, der 84-jährigen Hilda Morejon, in die Botschaft geflüchtet, um politisches Asyl zu beantragen. Laut Arguello kehrte der argentinische Botschafter Raul Taleb wegen der Angelegenheit frühzeitig aus Bueonos Aires nach Havanna zurück. Eine Anrainerin der argentinischen Botschaft in Havanna sagte AFP, zwei Frauen seien in der Nacht zum Mittwoch in die Botschaft eingedrungen und hätten sich geweigert, sie wieder zu verlassen.

"Wir sind verzweifelt"

Molina versucht seit ihrem Austritt aus der Kommunistischen Partei Kubas 1994, zu ihrem Sohn nach Argentinien zu reisen. Der Arzt Roberto Quinones lebt dort mit seiner Frau Veronica Scarpatti und seinen zwei Kindern, die ihre Großmutter noch nie gesehen haben. Die Schwiegertochter sagte am Donnerstag im Rundfunksender Continental, ihr Mann habe am Mittwoch einen Schwächeanfall erlitten und sei im Krankenhaus. "Wir sind verzweifelt", sagte Scarpatti. Molina wolle nicht nach Argentinien auswandern, sondern nur ihre Familie besuchen und dann in ihre Heimat zurückkehren, "wie jeder andere Bürger auf der Welt auch".

Scarpatti appellierte an den argentinischen Präsidenten Nestor Kirchner, die Familie "nicht hängen zu lassen". Dieser hatte sich bereits persönlich in dem Fall eingeschaltet und Kubas Präsident Fidel Castro in einem Brief aufgefordert, Molinas Ausreise zu erlauben. Castro antwortete, er lade den Sohn und dessen Familie nach Kuba ein. Die Familie lehnte dies jedoch laut Scarlatti ab, da sie "keine Garantien" habe, Kuba wieder verlassen zu können. Die Regierungen in Buenos Aires und Havanna wollten die neue Entwicklung in dem Fall nicht kommentieren. (APA)

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