Neuer Betonbaustoff in Leoben entwickelt

23. Dezember 2004, 21:01
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hält Temperaturen von über 1.200 Grad Celsius stand und soll u.a. im Tunnelbau zum Einsatz kommen

Graz - Einen neuartigen Betonbaustoff, der brandbeständiger und sicherer ist als bisher übliche Betonzusammensetzungen, hat das Institut für Gesteinshüttenkunde der Montan-Universität Leoben gemeinsam mit der Baufirma Porr entwickelt. Der neue Baustoff hält Temperaturen von über 1.200 Grad Celsius stand und soll u.a. im Tunnelbau zum Einsatz kommen, hieß es am Donnerstag in einer Aussendung.

Labor- als auch Großversuche haben gezeigt, dass der neue Beton Temperaturen bis zu 1.380 Grad Celsius standhält. Bei einem Großversuch mit einem betonierten Tunnelsegment zeigte sich, dass der Beton bei einem simulierten Bergdruck von 60 Tonnen drei Stunden lang eine Befeuerung mit 1.200 Grad Celsius aushielt. "Die neue Zusammensetzung weist auch insgesamt ein verbessertes Brandverhalten auf", erklärte Univ.Prof. Anton Mayer, der das über drei Jahre dauernde Forschungsprojekt leitet.

Probleme der bisher eingesetzten Stoffe

Übliche Betonbaustoffe enthalten karbonatische Gesteine wie Kalk und Dolomit oder Quarzgestein als so genannte Zuschläge. Im Brandfall zersetzen sich Dolomit und Kalk und spalten etwa die Hälfte ihrer Masse in Form von Kohlendioxid ab. Das hat einen vollständigen Feuchtigkeitsverlust zur Folge und lässt beim Löschen gefährliche Reaktionsprodukte wie ätzende Kalklaugen entstehen, die obendrein mit hohem Aufwand entsorgt werden müssen.

Der von Mayers Team entwickelte Beton besteht hingegen aus einem abgestimmten Gemenge von Magnesium-Eisen-Hydrosilikat-Mineralen, die einen Schmelzbereich von weit über 1.400 Grad Celsius aufweisen. Dieser Ausgangsstoff enthält auf einem Kubikmeter Beton über 200 Liter Wasser, das in chemisch-mineralischer Form eingebunden ist. Laut Mayer wird das eingebundene Wasser im Brandfall bei Temperaturen von 150 bis 700 Grad Celsius frei gesetzt mit dem Vorteil, dass Brandgase abgekühlt, die Luft gereinigt und das Feuer eingedämmt werden kann.

Kostenaspekte

Die erhöhten Kosten des neuartigen Betons, für den auch ein internationales Patent eingereicht wurde, können durch die höhere Isolationswirkung ausgeglichen werden. Auch nach einem Brand ist die Sanierung technisch einfacher möglich als bisher. Insgesamt wurde im Rahmen des Forschungsprojektes rund eine Million Euro ausgegeben, wobei der Fonds der gewerblichen Wirtschaft mit 30 Prozent förderte. (APA)

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