Architekt fühlt sich gemobbt

16. Dezember 2004, 20:42
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Projektentwickler kritisiert "manipulierende" Fotomontagen die unrichtigen und manipulierenden Eindruck erwecken

Wien - Der Architekt des geplanten Hochhauses bei Schloss Schönbrunn in Wien, Peter Podsedensek, fühlt sich von den Projektgegnern zu Unrecht angegriffen. "Gemobbt ist sicher ein annähernd guter Ausdruck", sagte er auf APA-Anfrage.

Die Fotomontagen der Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft (SKB) seien "klar falsch". Ähnlich argumentierte auch Anton Würzl, Chef des Projektentwicklers HPD-Holding in einer schriftlichen Stellungnahme. Die SKB wies diesen Vorwurf am Donnerstag zurück.

Ein unrichtiger und manipulierender Eindruck

In Würzels Stellungnahme ist von "unkorrekten", "bewusst verzerrend" gestalteten Fotomontagen die Rede. Diese würden "beim Leser einen unrichtigen und manipulierenden Eindruck des Projekts" erwecken. Vom Orangeriegarten des Schlosses Schönbrunn aus wäre das Projekt nicht an der Stelle und in jener Größe zu sehen, die eines der Fotos zeige. Von der Gloriette aus wäre es gar nicht sichtbar, sondern nur beim Anstieg dorthin, und dann deutlich kleiner und an einer anderen Stelle, betonte Würzel. Viele andere Wiener Hochhäusern wären von dort aber sehr wohl zu sehen.

"Dass sich bestimmte Personen solcher Mittel wie unkorrekter und manipulierender Fotomontagen bedienen, zeigt deutlich die Intentionen dieser handelnden Personen", so der Projektbetreiber. Sollte "derart manipuliertes Material" weiter verwendet werden, droht Würzel mit rechtlichen Schritten, und zwar auch gegen jene Medien, die die Bilder veröffentlichen würden.

Knapp 120 Meter hohes Projekt

Würzel und Podsedensek argumentieren, dass sich das knapp 120 Meter hohe Projekt bei der U-Bahn-Station Meidlinger Hauptstraße weder in der Kern- noch der Pufferzone des als UNESCO-Weltkulturerbe geschützten Schlosses befinde. Würde man den Argumenten der Gegner folgen, "müsste sich ja ganz Wien unter einem Glassturz befinden", so der Architekt: "Da wäre jegliche Stadtentwicklung gestoppt." Im Gegensatz zu den letztlich gescheiterten Wien-Mitte-Hochhäusern würde bei seinem Turm die Wahrnehmung des Weltkulturerbe jedenfalls nicht beeinträchtigt, zeigte er sich überzeugt.

"Ich kann nur hoffen, dass sich die Vernünftigen durchsetzen", sagte Podsedensek zur Zukunft seines Entwurfs. "Ich als Architekt resigniere sicher nicht, und ich hoffe, dass der Projektentwickler das auch nicht tut." Andernfalls würde ein Akzent im Stadtraum von Wien samt Belebung des Zentrums von Meidling verloren gehen. "Derzeit ist das mehr oder weniger eine Wüste", so der Architekt.

Die Schloss-Gesellschaft hielt dazu in einer schriftlichen Stellungnahme fest, "dass wir unsere Visualisierung selbstverständlich für korrekt halten". Man sei gerne bereit, einen unabhängigen Gutachter mit Beurteilung der Darstellungen zu betrauen. Dieser könnte etwa von der Wirtschaftskammer oder dem Bundesdenkmalamt bestellt werden, hieß es.(APA)

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