Studie: Massenimpfung gegen Anthrax sinnlos

22. Dezember 2004, 12:40
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Effektiver sei die rasche Bereitstellung von großen Mengen wirksamer Medikamente nach einem eventuellen Anschlag

Baltimore - Massenimpfungen sind kein geeigneter Weg, um eventuellen Terrorattacken mit Anthrax (Milzbrand) entgegenzuwirken. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore. Effektiver sei die rasche Bereitstellung von großen Mengen wirksamer Medikamente wie etwa Antibiotika nach einem Anschlag, berichtet das Wissenschaftsmagazin "Nature".

Der Wissenschaftler Ron Brookmeyer hat mit seinen Kollegen zahlreiche Strategien bei einem terroristischen Angriff mit Anthrax untersucht. Eine rasche Verteilung von den passenden Medikamenten innerhalb von sechs Tagen nach dem Anschlag könnte die Zahl der Erkrankungen um 70 Prozent verringern, meinen die Forscher. Wenn es allerdings zehn oder mehr Tage dauert, um die Medikamente an die Betroffenen auszuteilen, könnte die Zahl der Erkrankungen nur noch auf unter 50 Prozent gesenkt werden. Eine Vorsorge-Impfung sei nicht besonders empfehlenswert, außer es würde sich ein Großteil der Bevölkerung dazu bereit erklären. Darüber hinaus geben die Forscher zu bedenken, dass es Monate dauern würde, das höchst effektive Vakzin in den erforderlichen Mengen herzustellen. Die Kosten dafür wären aber enorm.

Impfstoff für besonders gefährdete Menschen

Der Mediziner sieht allerdings sehr wohl die Aufgabe, an einem neuen Impfstoff zu arbeiten. Das betreffe vor allem jene Personen, die besonders gefährdet sind. Ein neues Vakzin könnte die Länge der Antibiotika-Therapie drastisch verkürzen. "Während der Anthrax-Anschläge im Jahr 2001 haben weniger als die Hälfte der Betroffenen ihre 60-tägige Antibiotika-Therapie beendet", so Brookmeyer. Insgesamt waren damals 19 Krankheitsfälle und fünf Todesopfer zu beklagen. Brookmeyer kritisierte, dass keinerlei Lehre aus den Ereignissen gezogen wurden.

Milzbrand ist eine bakterielle Infektionskrankheit, von der hauptsächlich Tiere betroffen sind. Beim Menschen tritt die Krankheit normalerweise in warmen Regionen mit intensiver Viehzucht auf, in industrialisierten Ländern ist sie sehr selten. Besonders gefährdet sind daher Menschen, die engen Kontakt mit Tieren oder tierischem Material haben. Wird die Krankheit nicht frühzeitig mit Antibiotika behandelt, sterben viele Betroffenen innerhalb weniger Tage. Der Milzbrand-Erreger, das Bakterium Bacillus anthracis, gilt als effektiver biologischer Kampfstoff. Zahlreiche Staaten experimentieren seit Jahrzehnten damit. Charakteristisch für die Erkrankung ist auch, dass eine Übertragung von Mensch zu Mensch nicht möglich ist. (pte)

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    Das US-Militär impfte nicht nur seine Soldaten, sondern auch Journalisten, die diese im Irak begleiteten

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