Heute: Und wieder alle gegen Miller

17. Dezember 2004, 13:31
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Nächste Runde im Duell Miller versus ÖSV im Super G von Gröden - Hermann Maier wird noch immer vom Schuh gedrückt

St. Christina/Grödnertal - Mit dem Auftakt-Rennen des Weltcup-Wochenendes im Grödnertal geht am Freitag (12:15 Uhr/live ORF 1) das Super-G-Duell zwischen US-Star Bode Miller und der ÖSV-Armada in die nächste Runde. Miller hatte das erste Rennen in dieser Disziplin am 28. November in Lake Louise vor Hermann Maier, Michael Walchhofer und Johann Grugger für sich entschieden, vier Tage später triumphierte dann der Steirer Stephan Görgl in Beaver Creek vor Miller sowie Mario Scheiber.

ÖSV-Superstar Hermann Maier peilt natürlich seinen ersten Saisonsieg, den insgesamt 48., an, allerdings hat er seine Schuhprobleme noch immer nicht in den Griff bekommen. "In jedem Rennen habe ich jetzt einen anderen Schuh probiert. Angesichts dieser Probleme läuft es eigentlich eh sehr gut", meinte der "Herminator", der seine frühere Dominanz vermisst. "In meiner Phase von 1997 bis 1999 gab es ja gar keine Fragen. Da habe ich mich hinausgestellt und die Frage war nur, ob ich mit einer Sekunde oder noch mehr Vorsprung gewinne."

"Jetzt gehe ich wegen der Abstimmungsprobleme mit den Schuhen praktisch ohne Erwartungen in das Rennen, weil ich erst einmal die ersten Tore fahren muss, damit ich weiß, wie gut es geht und ob ich riskieren kann oder nicht", analysierte Maier nach dem letzten Abfahrtstraining auf der Saslong. "Mir geht einfach das ab, was Miller derzeit hat. Der kann sich auch Fehler leisten und trotzdem gewinnen, weil er diese Fehler in anderen Passagen wettmachen kann. Denn wenn's läuft hat man normalerweise nur ein Paar Schuhe - und mit diesem geht man auch schlafen."

Während im ÖSV-Team kein einziger Läufer alle bisherigen zehn Rennen bestritten hat, fühlt sich Miller trotz dieser enormen Mehrfach-Belastung alles andere als müde. "Ich erhole mich einfach besser als jeder andere", lautet das Erfolgsgeheimnis des bereits sechsfachen Saisonsiegers, der schon 391 Punkte vor seinem ersten Verfolger - Maier - in der Gesamtwertung liegt. "Außerdem nehme ich mehr Risiko. Dadurch ist meine Fehler-, aber natürlich auch meine Erfolgsquote höher."

Doch Erfolg ist nicht alles für Miller. "Der Spaßfaktor ist das Wichtigste für mich. Alle vier Disziplinen zu fahren, macht mir einfach unheimlichen Spaß", betont der 27-Jährige, der als erst zweiter Läufer nach dem für Luxemburg startenden Vorarlberger Marc Girardelli in einer Saison in Abfahrt, Super G, Riesentorlauf und Slalom Weltcup-Siege gefeiert hat. "Rekorde sind mir dagegen nicht so wichtig. Wichtiger ist, dass man mit dem, was man tut, glücklich ist. Und das bin ich im Moment."

Seine persönliche Zielsetzung für das Italien-Wochenende - nach der Gröden-Abfahrt am Samstag folgt am Sonntag noch ein Riesentorlauf in Alta Badia - sind aber natürlich weitere drei Podestplätze, möglichst auf dem obersten Stockerl, um die nächsten drei großen Schritte Richtung ersten Gesamt-Weltcupsieg und Maiers Saison-Weltrekord von 2.000 Punkten zu machen. "Miller wird wieder ganz gefährlich, seine Form ist bestechend", traut Beaver-Creek-Sensationssieger Görgl dem Doppelweltmeister von St. Moritz diesen Hattrick zu. "Vor allem die Leichtigkeit, mit der er derzeit unterwegs ist, ist sehr beeindruckend."

Doch der Gröden-Debütant will natürlich so wie Maier alles daran setzen, um ein solches "Triple" bereits im ersten Rennen zunichte zu machen. "Ich denke insgeheim schon daran, meinen Sieger-Ski von Beaver Creek hier auszupacken", betonte Görgl, dass er so schnell wie möglich seinen US-Triumph bestätigen will.

Und auch Hannes Reichelt, der anstelle des mit Formproblemen kämpfenden Andreas Schifferer ins Super-G-Team aufrückt, will sein Comeback-Rennen nutzen, um an sein Gröden-Ergebnis von 2002 anzuschließen. Damals war er mit hoher Nummer noch auf Platz zwei hinter den Schweizer Didier Defago gefahren und hatte damit eine schwere ÖSV-Niederlage verhindert. Miller bzw. Maier und die anderen ÖSV-Asse werden deshalb sicher die Fahrt des 24-jährigen Salzburgers abwarten, bevor sie etwaige Gratulationen entgegennehmen.

Doch neben den Österreichern und dem US-Amerikaner darf man auch einen Routinier im Kampf um den Sieg nicht vergessen. Denn wenn sich zwei streiten, freut sich ja bekanntlich sprichwörtlich oft ein Dritter. So lachte im Vorjahr der Norweger Lasse Kjus als Letzter, nachdem er den Super G auf der Saslong vor Stephan Eberharter, Maier und Hans Knauß gewonnen hatte. Vize-Weltmeister Miller hatte sich mit Platz 17 begnügen müssen. (APA)

ÖSV-Team für den Weltcup-Super-G am Freitag in Gröden: Stephan Görgl, Christoph Gruber, Johann Grugger, Hans Knauß, Matthias Lanzinger, Hermann Maier, Benjamin Raich, Hannes Reichelt, Mario Scheiber, Fritz Strobl, Michael Walchhofer

  • Bode Miller, Maß der Dinge in allen Disziplinen.

    Bode Miller, Maß der Dinge in allen Disziplinen.

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