Letzte Salzburger Chance

22. Dezember 2004, 17:37
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Kommentar zur bis Februar angekündigten Nachfolge für den Konzertchef der Festspiele, Peter Schmidl

Salzburg - "Man kann das nicht präzis terminisieren, aber der designierte Intendant der Salzburger Festspiele, Jürgen Flimm, sollte bis Jänner, längstens Februar kommenden Jahres einen neuen Leiter für den Bereich Konzert gefunden haben." Das meinte der Salzburger Bürgermeister und Mitglied des Kuratoriums der Salzburger Festspiele, Heinz Schaden (SP), nachdem der designierte Konzertchef der Festspiele, Peter Schmidl, überraschend seinen Rückzug von dieser Position bekannt gegeben hatte. Schaden bestätigt, dass es zwischen Schmidl und Festspielchef Jürgen Flimm "atmosphärische Störungen" gegeben habe. Bei der Kuratoriumssitzung am Mittwoch wurden übrigens auch die umstrittenen Budgets von Noch-Intendant Peter Ruzicka für 2005 und 2006 abgesegnet. (APA)

Letzte Salzburger Chance
Kommentar von Ljubisa Tosic

Man wird, nachdem Peter Schmidl noch vor Antritt seines Jobs als Konzertchef der Salzburger Festspiele (ab 2007) diesen aufgab, nie erfahren, was aus seinen Plänen geworden wäre. Ob es der Soloklarinettist und Geschäftsführer der Wiener Philharmoniker geschafft hätte, zu "seinem" Orchester die nötige Distanz zu wahren und eine für Salzburg notwendige Menge an Exklusivprojekten umzusetzen.

Klar ist hingegen: Der nach einer peinlichen kulturpolitischen Pattstellung zwischen Salzburg und Wien herbeiverhandelte Kompromiss bezüglich der Leitung der Festspiele war nicht durchdacht - unterschiedliche Vorstellungen über Kompetenzverteilungen hätte man im Vorfeld klären müssen. Und er stürzt den nicht schuldfreien Chefplaner Jürgen Flimm nun in ein kleines Programmchaos. Wenn nicht bald eine Lösung gefunden wird, droht eine Situation, in der man aus Zeitgründen keinen Gestaltungsspielraum mehr haben wird. Höchstens einen Einkaufspielraum - bei noch freien Künstlern. Wobei die besten bedauerlicherweise Jahre im Voraus planen ...

Das Positive an diesem Abschied ist die Möglichkeit, jetzt jemanden zu finden, der die Salzburger Macht der Wiener Klangkünstler nicht auch noch mehrt. Auch die Möglichkeit, einen Manager zu engagieren, der in allen Repertoirebereichen (inklusive Moderne) firm und für Konzeptüberraschungen gut ist und die Aufgabe nicht nebenbei erledigt. Von einem etablierten Künstler wäre solches nicht zu erwarten. Auch nicht, dass er seine ästhetischen und personellen Vorlieben hintanhält. Der Konzertteil der Festspiele darf jedoch weder Programmfußnote noch Ort der Selbstdarstellung sein. Er ist vielmehr ein essenzieller, vielschichtiger Teil eines Festivalgesamtkunstwerkes, das Salzburg zu sein hat, so es seine Position nicht verspielen will.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.12.2004)

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    Jürgen Flimm und Peter Schmidl im August

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