"Methoden, die an Verhetzung grenzen"

20. Dezember 2004, 11:29
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Militante GegnerInnen in Salzburg versandten Karikatur mit Landeshauptfrau Burgstaller - Erzbischof ruft zur Mäßigung auf

Salzburg - Nach der Ermöglichung von Abtreibungen am Salzburger Landesspital ab 1. April 2005 durch Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (S) greift eine kleine Gruppe von AbtreibungsgegnerInnen zu immer heftigeren Mitteln. Nun ruft auch Erzbischof Alois Kothgasser zur Mäßigung auf und warnt vor Polarisierung. Für kommenden Montag planen "Lebensschützer" eine Lichterkette vor dem Spital, ein unabhängiges Personenkomitee hat inzwischen eine Gegenkundgebung angekündigt.

"Gabi lässt das Töten zu"

Nachdem eine Salzburger Abtreibungsgegnerin dazu aufgerufen hatte, an Burgstaller alte Schuhe zu schicken, sandte nun die Gruppe "Jugend für das Leben" 70.000 Briefe an Haushalte. In diesen liegt in eine Zeichnung bei, in welcher Burgstaller gezeigt wird, die Josef und Maria bei ihrer Herberg-Suche an eine Abtreibungsklinik verweist, wie das Internet-Magazin "kath.net" berichtet. Und ein Teilnehmer der Internet-Plattform "grotte.at" kündigte laut "kath.net" inzwischen an, Briefmarken in Druck zu geben, auf denen "Gabi lässt das Töten zu" stehen soll.

Burgstaller: "Fast Verhetzung"

Burgstaller zeigte sich über die Kampagne betroffen: "Das sind Methoden, die fast schon an Verhetzung grenzen", meinte sie im ORF. "Ich finde das nicht in Ordnung und rufe zu einer Mäßigung auf." Sie habe immer betont, dass sie Schwangerschaftsabbrüche nur als "allerletzte Möglichkeit" sehe. Mit Beratungsangeboten und Unterstützung wolle sie dazu beitragen, dass es nicht so weit komme.

Diese Gruppen könnten "zwischen Fanatismus und Hilfe für Frauen in Not nicht mehr unterscheiden, obwohl ich davon ausgehe, dass sie vielleicht Gutes meinen, aber damit den Frauen, um die's mir geht, massivst schaden", sagte ÖVP-Familienlandesrätin Doraja Eberle. Sie trete für weniger Emotionen bei diesem Thema ein.

Kothgasser: "Keine christliche Art"

Auch Kothgasser, der Burgstaller wegen ihrer Erlaubnis von Abtreibungen kritisierte, ruft die Gruppe von Abtreibungsgegnern zu Mäßigung auf: "Das ist nicht unsere christliche Art, mit manchen schwerwiegenden Fragen umzugehen. Das entspricht auch nicht dem Respekt, den wir Christen immer allen Personen entgegenbringen müssen. Ich werde die 'Jugend für das Leben' darauf aufmerksam machen, dass solche Art der Kommunikation der Sache selber nicht dient, sondern nur der Polarisierung hilft und die hilft niemandem", sagte der Erzbischof im ORF.

Distanz zu den OrganisatorInnen der Kampagnen gegen Burgstaller signalisieren auch führende ÖVP-PolitikerInnen. VP-Familienlandesrätin Doraja Eberle etwa meint etwa, dass diese "zwischen Fanatismus und Hilfe für Frauen in Not" nicht unterscheiden könnten. Ähnlich auch der neue Vizebürgermeiser und VP-Stadtparteiobmann Harald Preuner: Er sei zwar mit Burgstallers Initiative, ab April kommenden Jahres im Landeskrankenhaus Schwangerschaftsabbrüche durchführen zu lassen, nicht einverstanden, an der Kundgebung der GegnerInnen werde er sich die ÖVP aber nicht beteiligen.

Angst um Spitäler

Landeshauptfrau-Stellvertreter Wilfried Haslauer äußerte Sorgen anderer Art: "Ich hoffe, dass die Landesspitäler durch die Öffnung für Abtreibungen keinen Schaden erleiden. Die politische Verantwort dafür trägt die SPÖ," erklärte er am Freitag im Ö1 Mittagsjournal. (APA/red)

  • Josef, Maria und die "Herbergswirtin" Burgstaller, die der Cartoon mit fiesem Blick sagen lässt: "Herberge hab' i' keine für Euch...aber eine neue Abtreibungsstation hätt i' anzubieten! Das Kind könnt'ma auf Krankenschein wegmachen lassen."
    besagter cartoon der "jugend für das leben"
    Josef, Maria und die "Herbergswirtin" Burgstaller, die der Cartoon mit fiesem Blick sagen lässt: "Herberge hab' i' keine für Euch...aber eine neue Abtreibungsstation hätt i' anzubieten! Das Kind könnt'ma auf Krankenschein wegmachen lassen."
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