Immofinanz verdaut Buwog-Kauf

23. Dezember 2004, 19:42
posten

Ertragskraft wird nicht geschmälert - Petrikovics will Einnahmen aus Wohnungsgesellschaft mittelfristig um 20 Prozent steigern - Deutlich mehr Umsatz und Ergebnis

Wien - Die börsenotierte Immobiliengesellschaft Immofinanz, die vor kurzem im größten Einzeldeal der Unternehmensgeschichte ein großes Wohnungspaket vom Staat erworben hat, erwartet sich durch den Großeinkauf keine negativen Einflüsse auf ihre Gewinnsituation. "Das würde ich nicht so sehen", sagte Vorstandschef Karl Petrikovics am Donnerstag, auf die Frage, ob eine (üblicherweise weniger rentierliche) Wohnungsinvestition dieser Größe den Gewinn pro Aktie verwässern wird. In den Büros seien die Leerstände häufiger als bei den Wohnungen, verwies Petrikovics bei der Halbjahrespressekonferenz auf die größere Beständigkeit der Mieteinnahmen aus Wohnungen.

Er erwarte aus der Buwog "stabile Renditen", sagte Petrikovics. Obwohl die Buwog schon bisher "exzellent geführt" worden sei, will die Immofinanz Umsatz und Mietwerlöse in den kommenden fünf Jahren um größenordnungsmäßig 15 bis 20 Prozent steigern. Die in der Buwog enthaltenen Grundstücksreserven sollen entsprechend verwertet, Dachböden ausgebaut und Wohnhäuser mit Werbung bestückt werden, um mehr Einnahmen zu erzielen. Die bestehenden Mietverträge können aus rechtlichen Gründen nicht zu Gunsten der neuen Eigentümer verändert werden. In den am Donnerstag veröffentlichten Halbjahreszahlen des laufenden Geschäftsjahres 2004/04 (per Ende April) sind die Erlöse aus der Buwog noch nicht enthalten - das Closing des Deals erfolgte erst im Oktober.

Buwog-Wohnungen gut integriert

Die Immofinanz habe die in dem Deal von der Republik erworbenen gut 20.000 Wohnungen der Buwog mittlerweile problemlos in die zuständige Österreich-Holding Immoaustria integrieren können, sagte Petrikovics. Wegen der neu hinzugekommenen 1,5 Millionen Quadratmeter Nutzfläche hat sich sowohl die regionale Verteilung des Portfolios als auch die Struktur der Nutzungsarten dramatisch in Richtung Österreich bzw. Wohnraum verändert. Mittlerweile beläuft sich der Wohnungsanteil an der Nutzfläche auf über 50 Prozent, mehr als 75 Prozent des Portfolios liegen in Österreich. Der Verkehrswert des Immofinanz-Portfolios beläuft sich auf mittklerweile 3,5 Mrd. Euro. Sie ist damit die fünftgrößte kontinentaleuropäische Immobiliengesellschaft.

Den genauen Kaufpreis für die Buwog wollte die Immmofinanz mit Hinweis auf eine Schweigevereinbarung mit dem Verkäufer auch heute keinen nennen. Beim Verkauf von fünf staatlichen Wohnungsgesellschaften im Sommer hatte die Republik gut eine Milliarde Euro von einem österreichischen Investorenkonsortium kassiert. Die in dem Paket enthaltene zweite große Wohnungsgesellschaft, die Linzer WAG, war an ein Konsortium unter Führung der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLB OÖ) gegangen.

Deutlich mehr Umsatz und Ergebnis

Mit einem Umsatz von 62,9 (45,2) Mio. Euro erzielte die Immofinanz ein Betriebsergebnis (Ebit) von 78 (62,3) Mio. Euro. Das Ergebnis vor Ertragssteuern stieg um etwa 40 Prozent auf 79,9 (56,9) Mio. Euro. Da wegen Kapitalaufstockungen zahlreiche junge Aktien in Umlauf kamen, legte das Ergebnis pro Aktie nur geringfügig auf 0,24 (0,23) Euro pro Aktie zu. In den Gewinnzahlen sind noch keine Werte der neu erworbenen Wohnungsgesellschaft Buwog enthalten.

Zum Ende des Gesamtjahres 2004/05 will das Unternehmen über ein Immobilienvermögen von 3,8 Mrd. Euro verfügen, der Umsatz soll sich auf 180 (nach 102) Mio. Euro belaufen. Das Betriebsergebnis soll auf 160 von 104 Mio. Euro steigen, so der Ausblick auf das Gesamtjahr. Damit wird sich durch den Buwog-Kauf der Portfolio-Wert binnen Jahresfrist beinahe verdoppelt haben.

Die rund 70.000 Aktionäre des Unternehmens haben sich in den vergangenen zwölf Monaten über einen Kursanstieg von rund 10,8 Prozent freuen können, sagte Immofinanz-Vorstand Norbert Gertner. In den vergangenen fünf Jahren habe das Papier im Jahresschnitt um 9,3 Prozent zugelegt. Die Immofinanz ist eine thesaurierende Aktie, d.h. sie schüttet keine (KESt-pflichtigen) Dividenden aus. Wird sie länger als ein Jahr gehalten, fällt beim Aktienverkauf keine Steuer an.(APA)

  • Die Immofinanz wächst mit den neu erworbenen Buwog-Anteilen stetig weiter
    foto: immofinanz

    Die Immofinanz wächst mit den neu erworbenen Buwog-Anteilen stetig weiter

Share if you care.