Alex Katz flächendeckend in der Albertina

17. Dezember 2004, 22:05
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Ausstellung mit bislang ungezeigten Kartons und Gemälden des "zutiefst amerikanischen Künstlers"

Wien - Strandszenen in Großformat, riesige Porträts mit einfachen Formen, strengen Konturen und klaren Farben. Die Bilder des US-Malers Alex Katz sind auf den ersten Blick erkennbar, extreme Flachheit ist ein Markenzeichen. Schattierungen und Nuancierungen, raumgreifende Tiefenwirkung und tiefenpsychologische Ausleuchtung, interessieren nicht: "Als ich auf den flachen Hintergrund kam, war das die aufregendste Sache meines Lebens". Nun zeigt die Wiener Albertina bis 20. Februar eine Ausstellung des 77-Jährigen.

"Ungehobener Schatz"

Alex Katz sei ein "zutiefst amerikanischen Künstler", meinte Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder am Donnerstag bei der Presseführung, er sei "einer der einflussreichsten Maler der Gegenwart". Als erstes Museum weltweit zeige man in der Ausstellung einen bisher "ungehobenen Schatz" aus dem Studio des Künstlers: die Kartons, auf denen Katz maßstabgetreu seine teilweise monumentalen Gemälde vorgezeichnet hat.

Diese Kartons, die eigentlich aus Packpapier sind, ließen sich "nicht auf ein vorbereitendes Hilfsmittel reduzieren". Sie seien dynamische Zeichnungen, die durch die klaren Striche, aber auch jene Schnitte, Verwerfungen und Perforierungen, die bei der Übertragung der Linien auf Leinwand entstünden, skulpturalen Charakter erhielten.

"Cool Painting"

Immer wieder lassen sich Gemälde und die in Kohle und Rötel gearbeiteten Kartons nebeneinander studieren, und die Reduzierung auf wenige Linien und Farbflächen verblüfft immer wieder. "Yellow House" (1985) zeigt auf einigen Quadratmetern nichts anderes als eben ein gelbes Haus mit drei roten Blumen im Vordergrund und einen Baum rechts hinten. Ob die Flachheit der Gemälde die Oberflächlichkeit der Gesellschaft nun decouvriert oder bloß abbildet, ist eine der zentralen Fragen, die sich der Betrachter stellen mag. Nur selten, wie etwa in dem weitgehend weißen Großformat "Black Ada", in dem eine schwarze, scherenschnittartige Frauenfigur offenbar gerade einen Steg am Rande eines Seeufers betritt, mag Stimmung mitschwingen. Ansonsten wird das "Cool Painting" kühl und distanziert seinem Namen gerecht.

In der Galerie Christine König ist bis 23. Dezember auch noch eine Schau mit Drucken von Alex Katz aus der Zeit von 1966 bis 2003 zu sehen. (APA)

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Alex Katz  Wading  (2004, Ausschnitt, Privatsammlung, Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac)
    foto: albertina / vbk wien

    Alex Katz
    Wading

    (2004, Ausschnitt, Privatsammlung, Courtesy Galerie Thaddaeus Ropac)

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