Bin Laden: Drohungen gegen Saudiarabien

18. Dezember 2004, 19:01
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Neues Tonband des Islamisten-Führers aufgetaucht - Königsfamilie verstoße "gegen die Regeln Gottes" - Aufnahmen laut CIA vermutlich echt

Kairo/Riad - Al-Kaida-Anführer Osama bin Laden soll die Herrscher Saudiarabiens in einer neuen Tonbandbotschaft so heftig attackiert haben wie nie zuvor. Auf dem mehr als einstündigen Band, das am Donnerstag auf einer Islamistenseite im Internet auftauchte, wird die Familie von König Fahd beschuldigt, sich mit den USA gegen die Moslems verbündet zu haben. Der Sprecher, dessen Stimme sehr wie die Bin Ladens klingt, wirft der Herrscherfamilie überdies vor, sie sei "wegen ihres Ungehorsams gegenüber Gott und der von ihr begangenen schweren Sünden" selbst für die Instabilität im Lande verantwortlich.

Das Tonband mit der Botschaft des Terrorpaten Osama bin Laden ist nach Einschätzung des US-Geheimdienstes CIA vermutlich echt. "Es handelt sich mit großer Wahrscheinlichkeit um die Stimme Bin Ladens", sagte ein CIA-Beamter am Donnerstag in Washington. Tonfall und Inhalt seien mit denen vorhergehender Botschaften vergleichbar; ferner seien dieselben Themen angesprochen worden.

Bei dem Band handelt es sich demnach um das jüngste Lebenszeichen des Extremistenführers, der für die Anschläge am 11. September 2001 in den USA verantwortlich gemacht wird. Zuletzt hatte sich Bin Laden im Oktober mit einem Video zu Wort gemeldet. Darin verhöhnte er US-Präsident George W. Bush und kündigte weitere Anschläge wie die vor drei Jahren an. Es wird vermutet, dass sich Bin Laden im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan versteckt hält.

"Dem Volk zurückgeben, was sie von ihm gestohlen haben"

Das Tonband, zu dem es im Internet kein Live-Bild des im Untergrund lebenden Terroristenanführer gibt, kann erst vor einigen Tagen aufgenommen worden sein. Denn die angebliche Bin-Laden-Stimme lobt darauf die Terrorattacke auf das US-Konsulat in der saudiarabischen Hafenstadt Jeddah am 6. Dezember. Die Anwesenheit von Amerikanern im Land der heiligen Stätten von Mekka und Medina widerspreche dem islamischen Gesetz, heißt es zu der Attacke.

Es sei nicht das Ziel von Al Kaida, die Herrschaft in Saudiarabien zu übernehmen. Vielmehr müssten sich die Herrscher der Öl-Monarchie ändern und "dem Volk zurückgeben, was sie von ihm gestohlen haben". Andernfalls könnten auch die Sicherheitskräfte einen Aufstand gegen das Königshaus nicht verhindern, sagt die Stimme auf dem Band. In dem Video rief der Islamisten-Führer überdies seine Anhänger zu Anschlägen auf die Ölförderanlagen im Irak und der Golfregion auf. gerufen. Der "Dschihad" (Heilige Krieg) müsse ausgedehnt werden, um "die Amerikaner davon abzuhalten, sich das Öl anzueignen", hieß es. (APA/dpa/Reuters)

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