"Le Figaro" & Co: Abgänge nach Übernahme durch Dassault

26. Dezember 2004, 17:47
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Zehn Prozent der Socpresse-Journalisten machen Gebrauch von Gesinnungsklausel - "Le Figaro", "L'Express" und Regionalzeitungen betroffen

Knapp zehn Prozent der Journalisten im französischen Presseverlag Socpresse machen von einer Vertragsklausel Gebrauch, die es ihnen erlaubt, nach der Übernahme der Gesellschaft durch den Rüstungs- und Flugzeugindustriellen Serge Dassault das Unternehmen zu verlassen. Nach Angaben der Unternehmensführung werden 268 der insgesamt 2.743 Redakteure der Gruppe von der Gesinnungsklausel Gebrauch machen. Das Aushängeschild der Socpresse, die konservative Tageszeitung "Le Figaro", verliert 29 ihrer 600 Journalisten. Dazu kommen 25 Redakteure der Agentur AGPI, die die Beilagen "Figaro Magazine", "Figaro Madame" und "Figaroscope" macht.

15 Millionen Euro an Abfertigungen

Schätzungen zufolge wird die Socpresse Abfertigungen im Wert von etwa 15 Mio. Euro zahlen müssen. Die Journalistengesellschaft SNJ hofft, dass die abgegangenen Journalisten in den verschiedenen Redaktionen ersetzt werden, da deren Fortbestehen ansonsten bedroht sei. Serge Dassault hat allerdings bereits angekündigt, dass er eine Reduktion der Lohnkosten in seinem Medienimperium anstrebe.

Die Gruppe umfasst insgesamt mehr als 70 Titel, darunter zahlreiche Regionaltageszeitungen und die Magazine "L'Express" und "L'Expansion". Bei den beiden Magazinen werden 38 Journalisten ausscheiden. Bei der Regionalzeitung "Dauphine Libere" kündigten 45 der insgesamt 270 Journalisten, bei "Le Progres" von Lyon 44 von 315. Bei den Regionalzeitungen in Nordfrankreich wurden 37 Kündigungen registriert, bei jenen in Westfrankreich 17.

"Gesunde Ideen"

Serge Dassault hat jüngst für Aufsehen in der Medienwelt gesorgt, indem er betonte, dass die Presse "gesunde Ideen" verbreiten müsse, und dass "linke Ideen keine gesunden Ideen" seien. Dassault ist Mitglied der konservativen französischen Regierungspartei "Union für eine Volksbewegung" (UMP) und wurde als solches in den Pariser Senat gewählt. Auch die französische Medienbeobachtungsbehörde "Observatoire francais des medias" (OFM) hat ihrer Besorgnis über die Konzentration der französischen Medienlandschaft in den Händen einiger Großindustrieller wie Dassault, Bouygues (TF1) und Lagardere (Gruppe Hachette) Ausdruck verliehen. (APA)

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