Bedrohungen im Internet: Kriminelle Banden lösen die Hacker ab

29. Dezember 2004, 11:11
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"Zeiten, in denen die 14- bis 18-jährigen Teenager Viren in Umlauf bringen, sind vorbei"

Die Angriffe im Internet durch Viren, Würmer und andere Schädlinge haben in diesem Jahr erneut Rekorde aufgestellt. Allein die Zahl neuer Viren ist im Jahr 2004 um 51,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, wie der Viren-Spezialist SSophos berichtet.

Ziele ändern sich

Doch inzwischen befürchten Experten eine völlig neue Form der Bedrohung, die die Internet-Nutzer künftig teuer zu stehen kommen könnte. Experten erwarten, dass sich sowohl Methoden als auch Ziele künftiger Angreifer im Internet in den kommenden Jahren dramatisch verändern werden. Mit professionell eingesetzten Spionage-Programmen und Verteilersystemen für Spam-Mails gehen organisierte Banden immer erfolgreicher im weltweiten Datennetz auf Raubzug.

"Die Zeiten, in denen die 14- bis 18-jährigen Teenager die Viren in Umlauf bringen, sind endgültig vorbei", sagt Eugene Kaspersky, Chef des russischen Anti-Viren-Spezialisten Kaspersky Lab. Hat bisher der zweifelhafte Enthusiasmus vor allem jugendlicher Programmierer Internet-Nutzer in aller Welt in Atem gehalten, entdecken inzwischen mehr und mehr Kriminelle entsprechende Schadprogramme für sich.

Keine schmutzigen Finger

Entsprechende Diebstahl-Attacken, mit denen sich die "Bad Boys" zu bereichern versuchen, machten inzwischen fast 90 Prozent der Angriffe aus, sagt Kaspersky. Eine Zunahme solcher Raubzüge bestätigt auch der Karlsruher Virenexperte Christoph Fischer. Im Internet könne man Geld machen, ohne sich die Finger schmutzig zu machen. "Es gibt natürlich immer noch Spinner, die das aus reinem Spaß machen." Möglicherweise sei der Anstieg mit 90 Prozent zu hoch angesetzt. "Aber die Tendenz stimmt."

Eine neue Form der Internet-Kriminalität seien zum Beispiel simple Schutzgelderpressungen, sagte Kaspersky. Die Drohung, einen Angriff auf den Firmen-Server zu starten, reiche häufig aus, um einen Unternehmer zur Zahlung zu bewegen. Zuletzt hatten auch so genannte Phishing-Attacken immer häufiger für Schlagzeilen gesorgt. Dabei werden ahnungslose Nutzer über E-Mails auf zum Teil professionell gefälschte Web-Sites etwa von Banken gelotst und aufgefordert, dort ihre persönlichen Daten wie PIN- oder Konto- Nummern zu bestätigen. Mit den abgefangenen Daten versuchen die Räuber dann, die entsprechenden Konten abzuräumen.

Weniger Viren

Angriffe wie die der Internet-Würmer Sasser, Netsky und MyDoom, bei denen weltweit Millionen von Rechnern infiziert wurden, wird es nach Einschätzung vieler Experten künftig vermutlich immer weniger geben. Denn gezielte, räuberische Attacken können bereits "erfolgreich" sein, wenn sie nur wenige tausend PCs ins Visier nehmen.

"Heute reicht es längst nicht mehr, nur über Viren zu sprechen", sagt Natalya Kaspersky, Geschäftsführerin des Anti-Viren-Spezialisten. Die "modernen" Angriffe nutzten mehr und mehr einen ganzen Cocktail aus verschiedenen Angriffsmethoden. Unerwünschte E-Mails (Spam) werden inzwischen mit Hilfe von Trojanern, Hintertür-Programmen und Würmern rund um den Globus verschickt. Und die Software wird immer intelligenter, kann sich selbst verändern und untereinander kommunizieren.

Spionage

Eine große Gefahr geht nach Meinung der Experten derzeit von modernen Spionage-Werkzeugen wie etwa Anzeigen-Software, so genannter Ad ware, aus. "Der normale Nutzer kann oft gar nicht ermessen, was damit alles möglich ist", sagt Fischer. Dabei handelt es sich um Programme, die auch für werbefinanzierte, kostenlose Software genutzt werden. Der Kunde erklärt sich dabei bereit, dass bestimmte Daten von ihm zum Beispiel für die Platzierung kontextbezogener Werbung erhoben werden. Die dahinter stehenden Programme seien jedoch äußerst aggressiv, sagt Fischer. Prinzipiell lassen sich damit die Bewegungen eines Nutzers im Internet nachverfolgen und Gewohnheiten analysieren, was Betrügereien aller Art ermöglichen könnte. "Da kann man ganze Horrorszenarien entwerfen."(APA/dpa)

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