Im Geisterzug

8. Februar 2005, 16:08
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Mit dem Bau des Koralmtunnels sichert sich Vizekanzler Gorbach seinen Verbleib in der Regierung - Von Luise Ungerboeck

Nun ist der Zug abgefahren. Der Koralmtunnel wird gebaut, und auch noch früher als geplant. Das schwarze Loch zwischen Graz und Klagenfurt ist zwar unnötig wie ein Kropf - und kann den Steirern den von den Niederösterreichern konsequent verhinderten Semmeringtunnel nie ersetzen -, dafür aber sündhaft teurer.

Daran ändert auch nichts, dass Kärnten und Steiermark 20 Prozent der 1,5 Milliarden Euro dazuzahlen. Inklusive Zulaufstrecken kostet die Röhre unter der Koralm gar 4,2 Milliarden Euro, zu denen die Länder nichts beisteuern. Die darf die neue ÖBB respektive der Bund zahlen.

Fest steht damit auch, dass Vizekanzler Hubert Gorbach weder die Verkehrspolitik noch die eben aufs Reformgleis gesetzte ÖBB ein Anliegen sind, sondern allenfalls die Bauwirtschaft. Sonst hätte er nicht nur das Lieblingsspielzeug des Kärntner Landeshauptmanns gut versteckt (oder noch besser: ganz entsorgt), sondern auch gleich jenes der Wiener: den überdimensionierten Lainzer Tunnel. Oder den ebenfalls überdimensionierten viergleisigen Ausbau der Unterinntalstrecke, die teuerste Lärmschutzwand Europas.

Bei weit wichtigeren Strecken, etwa dem viergleisigen Westbahnausbau, wo ausnahmsweise keine Geisterzüge unterwegs sind und die ÖBB gutes Geld verdient, gibt es hingegen nicht viel mehr als Kosmetik. Die Güterzugumfahrung St. Pölten findet gar nicht statt, Ybbs-Amstetten wird "gestretcht", wie das Verschieben auf den Sankt-Nimmerleins-Tag neuerdings heißt.

In Wahrheit, und das ist besonders bitter, müssen die Steuerzahler für ihren Vizekanzler tief in die Tasche greifen. Denn mit dem Koralmtunnel hat sich Hubert Gorbach persönlich seinen Verbleib in der Regierung gesichert. Ohne Tunnel wäre sein Zug nämlich längst abgefahren. (DER STANDARD Printausgabe, 16.12.2004)

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