WHO: "Jedes Land soll seinen eigenen Aktionsplan für eine mögliche Grippe-Pandemie erarbeiten"

23. Dezember 2004, 12:46
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Vorbereitungen auf die nächste große Krankheitswelle werden verstärkt: Auch Einschränkungen der persönlichen Freiheit angedacht

Genf - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) will die Maßnahmen zur Vorbeugung von Grippe-Epidemien verbessern. Nötig sei dazu eine Zusammenarbeit auf nationaler und internationaler Ebene, erklärte die Organisation am Mittwoch in Genf nach einer dreitägigen Sitzung von 60 Experten.

"Jedes Land soll seinen eigenen Aktionsplan für eine mögliche Grippe-Pandemie erarbeiten", sagte Klaus Stöhr vom WHO-Influenzaprogramm. Nötig sei eine Zusammenarbeit von medizinischen Personal mit Politikern.

Virus noch immer nicht vollständig erforscht

Innerhalb von drei bis zehn Wochen könne ein Großteil der Bevölkerung von einer Grippe-Erkrankung betroffen sein. Daher sollten auch die Spitäler Richtlinien für die Bekämpfung von Epidemien erarbeiten.

Stöhr erinnerte daran, dass das Grippevirus erst 1935 nach 17-jähriger Forschung - und nach der großen Grippe-Epidemie von 1918 - entdeckt wurde. Noch längst sei nicht alles über das Virus bekannt, sagte er.

"Grippe-Pandemien sind Naturphänomene wie Erdbeben", führte Stöhr aus. In jedem Jahrhundert gebe es mehrere Pandemien. Eine wirksame Vorbereitung sei daher wichtig, um die Ausbreitung möglichst gering zu halten.

Thema Vogelgrippe

Derzeit bestehe die Möglichkeit, dass eine weltweite Grippewelle durch ein Übergreifen des Vogelgrippevirus auf den Menschen entstehe. Heute befinde man sich allerdings noch in einer "interpandemischen Phase" ohne akute Gefahr.

In den kommenden sechs bis acht Monaten werde es noch keine Impfung gegen den Vogelgrippevirus geben, sagte Stöhr weiter. Da heute nur neun Länder 90 Prozent der weltweiten Impfstoffe gegen Grippe produzierten, würden diese bei einer Pandemie kaum für alle Betroffenen ausreichen.

Freiheitseinschränkungen angedcht

Daher müssten auch andere Maßnahmen wie etwa die Einschränkung der Mobilität und öffentlicher Treffen getroffen werden. Außerdem sollten mehr Medikamente zur Verfügung stehen sowie die Überwachung der Ausbreitung und Veränderung von Viren verbessert werden. Der WHO zufolge können bei einer Pandemie 20 Prozent der Weltbevölkerung erkranken und bis zu 0,5 Prozent der Erkrankten sterben.(APA/sda)

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    In Menschenansammlungen kann sich das Virus wie ein Lauffeuer verbreiten

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