Flexibel zeigen, bis zu 60 Stunden pro Woche

29. Dezember 2004, 10:22
105 Postings

Industrie- General­sekretär Beyrer macht in der Arbeits­zeit­frage auf "arbeit­nehmer­freundlichste Art" Druck

Wien - Der neue Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Markus Beyrer, wirbt für eine "Entemotionalisierung" des Themas Arbeitszeitflexibilisierung. Verglichen mit Jobabbau oder Firmenabwanderungen seien flexiblere Arbeitszeiten "sicher der arbeitnehmerfreundlichste Weg im Arbeitskostensegment wettbewerbsfähiger" zu werden, sagte Beyrer im Gespräch mit dem STANDARD.

Die Industrie wünscht sich eine Ausweitung der täglichen Normalarbeitszeit, in der keine Überstunden anfallen, von acht auf zehn Stunden. Die tägliche Höchstarbeitszeit, so die Forderung, solle von zehn auf zwölf Stunden angehoben und pro Woche mit maximal 60 Stunden begrenzt werden.

"Keine generelle 60-Wochenstunde2

Beyrer: "Das ist nicht als Forderung nach einer generellen 60-Wochenstunde misszuverstehen. Wir wollen einen neuen Arbeitszeitrahmen, der von den Betrieben möglichst flexibel gelebt werden kann."

Der neue Industrie-Vorschlag ist, dass in bis zu 26 Arbeitswochen pro Jahr bis zu 60 Wochenstunden gearbeitet werden dürfe und die Arbeitnehmer die angesparten Zeitguthaben in einem Durchrechnungszeitraum von bis zu zwei Jahren wieder abbauen. Probleme in der Praxis, diese Zeitguthaben in Anspruch nehmen zu können, erwartet Beyrer nicht.

Zäher Politzyklus

Den Widerstand der Gewerkschaft kennt die IV seit den Metallerkollektivvertragsrunden nur zu gut. Auch auf der Politebene sei die Lobbying-Arbeit schwierig. Beyrer auf die nächsten Nationalratswahlen anspielend: "Das ist ein zähes Thema, auch in dem jetzigen politischen Zyklus."

Das Gedenkjahr 2005 und das Wahl- bzw. EU-Vorsitzjahr 2006 dürften aus Industriesicht keinesfalls zwei verlorene Jahre für den Wirtschaftsstandort werden. Beyrer: "Es ist einiges passiert, aber es gibt kein Jahr zu verschenken. Das Wettbewerbsumfeld ändert sich rasant. Wir dürfen nicht stehen bleiben." Beyrer nennt neben der Arbeitszeitflexibilisierung die Themenblöcke Forschung, Bildung und Infrastruktur.

So seien etwa im Forschungsbereich einige Schritte in die richtige Richtung unternommen worden, sowohl in der Forschungsförderung als auch in organisatorischer Hinsicht, meint der Industrievertreter.

"Sparsames Budget 2005"

Doch das Budget 2005 sei trotz einiger Impulse unterm Strich ein "sparsames Budget" geworden und bringe für die Forschung "nur ein Drittel dessen, was notwendig wäre", sagte Beyrer. So erfreulich die aktuelle Forschungsquote von 2,27 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei, das Ziel von 2,5 Prozent bis 2006 bleibe solcherart in weiter Ferne.

Kopfschütteln löst bei der IV das Thema Spielberg aus. Für Beyrer ein "Symptom" wie die Politik mit bitter nötigen Investitionen umgehe. (Michael Bachner, DER STANDARD Printausgabe, 16.12.2004)

  • IV-Generalsekretär Markus Beyrer hat sich für 2005 viel vorgenommen. Zeit zu verschenken gebe es nicht.
    foto: iv

    IV-Generalsekretär Markus Beyrer hat sich für 2005 viel vorgenommen. Zeit zu verschenken gebe es nicht.

Share if you care.