Karte zücken, statt Krankenschein ausfüllen

16. Dezember 2004, 17:14
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Die E-Card, die die papierenen Krankenscheine pro Jahr ersetzen soll, ist seit Anfang der Woche im Testbetrieb

Seit Anfang der Woche wird sie in einer Musterpraxis erprobt. Ab 30. Mai 2005 soll sie vom Burgenland aus bis zum 7. November zu jedem Bürger vorgedrungen sein: die E-Card, die die rund 45 Millionen papierene Krankenscheine pro Jahr ersetzt.

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Trausdorf/Trajstof – Das Burgenland hat in Österreich die Nase vorn – zumindest bei der Einführung der E-Card, die im kommenden Jahr den Krankenschein aus Papier bundesweit endgültig ablösen wird.

Ein Faktum, den die aus dem Burgenland stammende Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallath beim offiziellen Start besonders freute: "Damit werden alle Lügen gestraft, was man über das Burgenland erzählt: Hier ist die Technik zu Hause."

Ausgehend von der Praxis von Dr. Milan Kornfeind, wo jetzt der Musterbetrieb für dessen etwa 2700 Trausdorfer und Osliper Patienten startete, sollen bis Ende November 2005 alle rund acht Millionen sozial- und krankenversicherungspflichtigen Bürger und die 12.000 Vertragsordinationen mit der intelligenten Chipkarte ausgestattet sein.

Mit der E-Card setze man einen Meilenstein in der europäischen Gesundheitslandkarte, betonte Rauch-Kallat.

Die Diskussionen der vergangenen Tage um den Namen der Karte habe jedoch gezeigt, dass "die Österreicherinnen und Österreicher einen deutschen Namen wollen", so die Ministerin bei der Pressekonferenz in der burgenländischkroatischen Mustergemeinde. "Für mich und hoffentlich für alle anderen soll es daher eine Gesundheitskarte sein."

Die Karte ist als Schlüsselkarte konzipiert, das heißt, sie kann sukzessive um weitere Merkmale und Dienstleistungen erweitert werden. Im Musterbetrieb in Trausdorf sind vorläufig nur Name, Geburtsdatum, Sozialversicherungsnummer, Geschlecht und Benutzergruppenkennzeichen (etwa "Pensionist") der Versicherten festgehalten.

Sobald die Karte in den Probebetrieb geht (dieser startet am 28. Februar in 80 Ordinationen im nördlichen Burgenland), können auf Wunsch der Patienten auch Notfalldaten wie etwa Blutgruppe, Allergien etc. gespeichert werden. Haupts Notfalldaten

Eine Option, von der Sozialminister Herbert Haupt ganz sicher als einer der ersten Gebrauch machen wird: "Ich werde die Karte immer bei mir haben, damit bei meinem nächsten Unfall bei etwaiger Bewusstlosigkeit alle Notfalldaten vorhanden sind, auch meine Hepatitis C-Erkrankung, und sich die Helfer davor schützen können."

Wird sie dafür aktiviert, kann die E-Card auch als Bürgerkarte beim Einsatz von EGovernment- Anwendungen (wie etwa die Onlineabwicklung der Arbeitnehmerveranlagung) zur sicheren Identifikation seines Besitzers eingesetzt werden. In weiterer Folge vorgesehen ist ihr Einsatz beim Arzneimittelbewilligungsservice, als elektronisches Rezept bis hin zur elektronischen Gesundheitsakte (ELGA), die laut Rauch-Kallat bis 2008/2009 Gestalt annehmen soll.

Die Kosten für die Gesundheitskarte betragen zehn Euro für den Versicherten und werden jeweils Ende November vom Arbeitgeber einbehalten. Beim gegenwärtigen und zukünftigen Einsatz der ECard habe der Datenschutz höchstmögliche Priorität, versicherten alle Beteiligten. (Karin Tzschentke/DER STANDARD, Printausgabe, 16.12.2004)

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    Sozialminister Herbert Haupt, flankiert von Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat und Ärzte-Präsident Reiner Brettenthaler, will die E-Card immer brav bei sich tragen.

  • Infografik: E-card - Stufenplan zur Einführung 2005

    Infografik: E-card - Stufenplan zur Einführung 2005

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