Drei Gründe, strategisch zu denken

24. September 2007, 15:09
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Viele KMU sehen strategisches Management als etwas, was Große haben und Kleine nicht brauchen - zu Unrecht, meinen Experten

Was assoziieren die meisten Kleinunternehmer mit strategischem Management? Erstens: unflexibel. Zweitens: zeitaufwändig. Drittens: Papierkram. Zu diesem Schluss kommen zumindest Urs Fueglistaller, Urs Frey und Frank Halter in ihrem Brevier "Strategisches Management für KMU". Die drei Professoren am Schweizerischen Institut für gewerbliche Wirtschaft an der Universität St. Gallen haben sich nicht nur eingängig mit Strategie in KMU als Forschungsobjekt auseinander gesetzt. Sie sind auch in ihrer Beratungstätigkeit in KMU zur Erkenntnis gekommen, dass viele Betriebe gerade deshalb in Schwierigkeiten stecken, weil sie sich nie mit ihrer Strategie beschäftigt haben.

Keine Strategie gibt es nicht

Dennoch: Jedes Unternehmen verfolgt Strategien. Wenige analysieren und planen sie, aber alle Betriebe haben sie, meist ohne sich ihrer bewusst zu sein. Manche Unternehmensführer ändern sie, wenn sie eines Tages feststellen müssen, den falschen Weg eingeschlagen zu haben. Spätestens dann sollten sie sich überlegen, in längeren Zeiträumen zu denken. Denn strategisches Managements bedeutet, vereinfacht gesagt, nichts anderes als: Die operativen Tätigkeiten im Betrieb nach einer längerfristigen Planung auszurichten.

Konzept als Korsett

Viele Kleinunternehmer betrachten ein strategisches Konzept als Korsett, das ihnen jene Flexibilität raubt, die ihnen doch gerade gegenüber den unbeweglichen Großunternehmen Vorteile verschafft. Diese Sorge ist dann berechtigt, wenn die strategische Planung zu detailliert ausfällt. Betrachtet man Strategie jedoch als einen Kompass, der dem Unternehmen Orienterung verschafft, ohne den genauen Weg vorzugeben, bleibt die Flexibilität uneingeschränkt. Im Gegenzug sollte es gelingen, bestimmte Risiken des Unternehmensmisserfolgs zu minimieren.

Investition in den Zeitgewinn

Auch jene Geschäftsführer, die den Sinn strategischen Managements erkannt haben, finden oft nicht die Zeit, es in die Praxis einzuführen. Da "dringend" meist vor "wichtig" geht, wird Zweiteres eben verschoben - und am Ende nie erledigt. Das Tagesgeschäft hat, so die Begründung, immer Vorrang. Jedoch wird hier übersehen, dass strategisches Management - auf mittlere Sicht - sogar Zeitersparnis bringt: Wer weiß, wohin er geht, ist schneller dort als jemand, der ohne Plan drauf los geht.

Verloren in der kurzen Frist

A propos Plan: Die Praxis zeigt, dass gerade jene Unternehmen, denen die Strategie fehlt, sich oft zu sehr in kurzfristigen Planungen ergehen. Hier ist zu beachten, dass der Markt und die Konkurrenz immer schneller sind als das Unternehmen selbst. Die Folge: Ein immer wiederkehrendes Überarbeiten der Kurzfristplanung. Wer langfristig, aber grob plant, kann in dynamischen Zeiten lenkend eingreifen. Wer hingegen in kurzen Fristen denkt, übergibt das Steuer dem Zufall. (mas)

  • Den zweiten Zug vor dem ersten zu denken ist Taktik. Strategisches Denken ist schon fünf Züge weiter
    foto: photodisc

    Den zweiten Zug vor dem ersten zu denken ist Taktik. Strategisches Denken ist schon fünf Züge weiter

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