Juschtschenko: Vergiftung nach Abendessen mit Geheimdienstchef

17. Dezember 2004, 16:23
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Dioxin-Gehalt im Blut Oppositionsführers 6.000 Mal höher als normal

Kiew - Der ukrainische Oppositionschef Viktor Juschtschenko hat eine Verbindung zwischen dem auf ihn verübten Giftanschlag und einem Treffen mit Geheimdienstlern gezogen. Er habe am Vorabend vor Ausbruch seiner Krankheit mit dem Chef des ukrainischen Geheimdienstes SBU, General Ihor Smeschko, und dessen Stellvertreter zu Abend gegessen, sagte Juschtschenko am Mittwoch vor Journalisten. "Das einzige Problem ist, dass ich nicht aufgegessen und alles getrunken habe, was man mir gegeben hat."

Juschtschenko machte indirekt die jetzige Regierung für den Anschlag verantwortlich: "Es ist ein Problem für die Staatsmacht, dass ich noch am Leben bin." Die Justiz stehe vor der "einfachen Aufgabe", jene Leute zu finden, die "in den Anschlag verwickelt waren."

Dioxin-Gehalt 6.000 Mal höher als normal

Der Dioxin-Gehalt im Blut Juschtschenkos ist 6.000 Mal höher als normal. Das ergaben jüngste Blut-Tests, die der Umwelt-Toxikologe Abraham Brouwer im Auftrag Juschtschenkos in Amsterdam vornahm. Die Konzentration sei die zweithöchste, die man je bei einem Menschen festgestellt habe, sagte Brouwer am Mittwoch.

Von zunächst 400 kämen inzwischen noch 29 Gifte in Frage. Er hoffe, bis zum Wochenende das verwendete Gift eindeutig festzustellen, sagte der Wissenschaftler. Dies könnte wichtige Hinweise für die Aufklärung des Anschlags auf Juschtschenko bringen. "Der chemische Fingerabdruck kann zu den Quellen führen", sagte Brouwer gegenüber der AP - etwa hinsichtlich dessen, in welchem Labor das Gift hergestellt worden sei.

Noch ist unklar, welche gesundheitlichen Schäden Juschtschenko davontragen wird. Nach Meinung einiger Experten hat der Oppositionskandidat, dessen Gesicht seit der Vergiftung vor drei Monaten von Chlorakne entstellt ist, das Schlimmste schon überstanden. Am 26. Dezember wird in der Ukraine die Stichwahl um die Präsidentschaft wiederholt, nachdem die erste Runde annulliert worden war. (APA/AP)

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