Koralmtunnel: Kärnten und Steiermark zahlen 280 Millionen Euro dazu

15. Dezember 2004, 19:49
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Bund und Länder unterzeichnen Vereinbarung über umstrittenes Projekt - ÖBB müssen Geld aber vorstrecken

Wien - Kärnten und die Steiermark werden zum Bau des umstrittenen Koralmtunnels jeweils 140 Mio. Euro dazuzahlen. Vizekanzler Verkehrsminister Hubert Gorbach (F), Finanzminister Karl-Heinz Grasser und der ÖBB-Vorstand haben am Mittwoch mit den Landeshauptleuten Jörg Haider (F) und Waltraud Klasnic (V) eine Vereinbarung unterzeichnet, wonach die beiden Länder 20 Prozent der Baukosten des 1,5 Mrd. Euro teuren Tunnelprojekts übernehmen.

Fertigstellung bis 2016

Auf diese Weise werde der Baubeginn der neuen Verbindung zwischen Graz und Klagenfurt von 2011 auf 2008 vorgezogen und die Fertigstellung bis zum Jahr 2016 sichergestellt, erklärte Verkehrsminister Gorbach bei der Unterzeichnung. Die steiermärkische Landeshauptfrau Klasnic betonte in Anspielung auf das vorerst gescheiterte Projekt Spielberg, dass beim Koralmtunnel die Vorverhandlungen bereits geführt worden seien und man auch "nicht mehr mit Initiativen rechnen" müsse. "Jetzt fährt der Zug drüber, dass der Koralmtunnel Realität wird", so auch Kärntens Landeshauptmann Haider.

Finanzminister Grasser sprach bei der Vertragsunterzeichnung von einem "durchaus signifikanten Beitrag der Länder". Allerdings müssen die ÖBB die gesamten Baukosten vorschießen. Die Länder müssen ihren Anteil in jährlichen Raten von je 7,8 Mio. Euro im Zeitraum von 2008 bis 2025 zurückzahlen. Die Finanzierung sei daher für beide Länder aus den laufenden Einnahmen möglich, betonte die Landeshauptleute. Im Verkehrsministerium sieht man darin ein Vorbildmodell: Auch andere Bahn-, aber auch Straßenprojekte sollten auf diese Weise von den Ländern mitfinanziert werden.

Kosten: 4,2 Milliarden Euro

Die Kosten für die gesamte Neubaustrecke zwischen Graz und Klagenfurt, die neben dem Tunnel auch den zweigleisigen Ausbau der Zulaufstrecken umfasst, werden auf 4,2 Mrd. Euro geschätzt. Gorbach hält das Bauvorhaben "für eines der wichtigsten, wenn nicht das wichtigste Verkehrsprojekt Österreichs". Die Fahrzeit zwischen den beiden Landeshauptstädten wird durch den Tunnel von 2:40 Stunden auf eine Stunde verkürzt. "Lieber Nachbar Jörg, jetzt rutschen wir wieder ein Stückchen näher zusammen", meinte Klasnic.

Wegen der geringen Auslastung der Verbindung hatte das ÖBB-Management das Projekt stets aus wirtschaftlicher Sicht in Frage gestellt. Gorbach hielt dem entgegen, dass der Tunnel auch einen großen volkswirtschaftlichen und regionalwirtschaftlichen Nutzen bringe. Durch das Projekt sollen angeblich 45.000 bis 50.000 Jobs geschaffen werden.

Durch die rechtzeitige Fertigstellung des Koralmtunnels verhindere man auch eine Umfahrung Österreichs über Slowenien und Westungarn. Die alternative Strecke - der so genannte Korridor Fünf - werde voraussichtlich erst zehn Jahre nach dem Koralmtunnel fertiggestellt, betonte Haider.

Kärnten soll die neue Verkehrsanbindung laut einer IHS-Studie eine Steigerung der Wirtschaftskraft um jährlich 170 Mio. Euro bescheren. Auch in der Ost-Steiermark würden sich neue Betriebe ansiedeln, für die der Standort bisher unattraktiv gewesen sei, betonte Klasnic.

Gorbach: Druck auf Realisierung des Semmering-Tunnels

Gorbach glaubt, dass durch die Realisierung des Koralmtunnels nun auch der Druck auf Niederösterreich zum Bau des Semmering-Basistunnels und damit zur Fertigstellung der Südbahn "entscheidend verstärkt wird". "Der Semmering-Basistunnel muss realisiert werden. Er ist ein wesentlicher Bestandteil in der Planung des österreichischen Schienenverkehrsnetzes", meinte Gorbach. (APA)

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