Man singt deutsch: Radioquote in Deutschland wird Thema

29. Dezember 2004, 13:19
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Antrag von SPD und Grünen zielt auf freiwillige Selbstverpflichtung ab - 35 Prozent-Quote angepeilt

Die deutschen Regierungsparteien denken nun ernsthaft über Radioquoten für deutsche Musik nach. Die Fraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen unterstützen mehrheitlich die Forderung zahlreicher deutscher Musiker nach einer Quote für einheimische Sänger und Produktionen in den Rundfunksendern und bringen dazu an diesem Freitag einen Antrag im Bundestag ein. Darin wird die Bundesregierung aufgefordert, mit den öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern entsprechende Gespräche zu führen. Ziel soll eine freiwillige Selbstverpflichtung sein, in den Pop- und Rockmusik-Programmen einen Anteil von annähernd 35 Prozent deutscher Produktionen zu senden.

Bereits Ende September hatte es zu diesem Thema eine Anhörung von Künstlern und Rundfunkvertretern in der Enquete-Kommission des Bundestages "Kultur in Deutschland" gegeben. Jetzt heißt es in dem Antrag der Koalitionsfraktionen, die musikalische Vielfalt und insbesondere der musikalische Nachwuchs in Deutschland sei in den Radiosendern nicht mehr gewährleistet. Vor allem junge Nachwuchsmusiker seien im Radio unterrepräsentiert.

Kzlturelle Vielfalt schützen

Die Fraktionen verweisen nach dpa-Informationen vom Mittwoch darauf, dass bereits viele andere Länder eine Quote für Pop- und Rockmusik erfolgreich eingeführt hätten, wie Kanada, Frankreich, Australien, die Schweiz, Polen, Rumänien und Estland. Auch mit der Buchpreisbindung habe die deutsche Bundesregierung gezeigt, dass sich die kulturelle Vielfalt schützen lasse. Im Musikbereich sollte angesichts des Kulturauftrages der Rundfunksender ein ähnlicher Weg gegangen werden. Eine Selbstverpflichtung der Sender widerspreche auch nicht der bestehenden nationalen und internationalen Rechtslage. An die Länder appelliert Rot-Grün, im Rahmen ihrer Zuständigkeiten die Forderung nach einer Musikquote zu unterstützen.

Eigener "realistischer" Antrag

Dagegen meinte der kulturpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Günter Nooke, Rot-Grün verhöhne mit diesem Antrag die Musiker und die Musikbranche. "Wo freiwillige Selbstverpflichtung draufsteht, muss auch freiwillige Selbstverpflichtung drin sein. Das Gegenteil ist im Antrag der Koalition der Fall - die Rundfunkanstalten sollen gezwungen und gegängelt werden." Die Unionsfraktion werde am Freitag einen eigenen "realistischen" Antrag dazu im Parlament einbringen, teilte er am Mittwoch mit. Darin wird die Bundesregierung aufgefordert, "im Rahmen ihrer Zuständigkeit und Möglichkeiten den Stellenwert der auf Deutsch gesungenen oder in Deutschland produzierten Musik in Deutschland im Sinne deutscher Musiker zu stärken". Eine Festlegung auf eine genaue Quote ist in dem Antrag nicht enthalten. (APA/dpa)

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