Öl-Katastrophe in Alaska: Neuer Sturm könnte Situation verschärfen

17. Dezember 2004, 15:25
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Meterhohe Wellen werden erwartet - 130 Tonnen Schweröl sind bereits ausgelaufen - Hunderte verölte Seevögel

Anchorage - Ein neuer Wintersturm in Alaska könnte die Öl-Katastrophe vor den Aleuten-Inseln weiter verschärfen. An dem Unglücksort, wo der Frachter "Selendang Ayu" vor einer Woche auf Grund gelaufen war, wurden nach Angaben der Küstenwache am Mittwoch heftiger Wind und meterhohe Wellen erwartet.

1.400 Tonnen Öl geladen

Bei ruhigerer See am Dienstag war es Inspektoren erstmals gelungen, den Bug des auseinander gebrochenen Schiffes zu untersuchen. Es sei kein weiteres Öl im Wasser gesichtet worden, sagte Amy Thomas von der Küstenwache in Anchorage der dpa. Zuvor waren aus einem geborstenen Haupttank 130 Tonnen Schweröl ausgelaufen. Das Schiff hat insgesamt über 1.400 Tonnen Öl geladen.

Hunderte verölte Seevögel

Biologen der US-Fischereibehörde Fish and Wildlife Service haben in der unzugänglichen Region mehrere hundert verölte Seevögel gefunden. Die Unalaska-Insel rund 1.300 Kilometer südwestlich von Anchorage ist Heimat von Seelöwen, Seehunden, Ottern und vielen Seevogelarten. Mit Hilfe von schwimmenden Absperrungen, die in der stürmischen See ausgelegt wurden, soll der zähe Ölfilm von lachsreichen Strömungen fern gehalten werden.

Muschelbänke verseucht

Emil Berikoff, Vorsitzender des Fischereiverbandes in Unalaska, befürchtet schwere Einbußen bei der bevorstehenden Fischfang-Saison. "Es sieht nicht gut aus", sagte der 60-jährige Fischer am Dienstag der dpa. Das Öl habe bereits die Ufer erreicht und dort die Muschelbänke verseucht. Heftige Winde und Wellen trieben den Ölfilm über die ausgelegten Barrikaden hinweg. Die Einwohner der Insel hätten auch wenig Hoffnung, dass das restliche Öl in dem havarierten Schiff schadlos abgepumpt werden kann. Das stürmische Winterwetter könnte solche Aktionen vereiteln, befürchtet Berikoff.

Einwohner leben von Fischfang

Die rund 4.000 Einwohner der Aleuten-Insel Unalaska leben vor allem vom Fischfang. Im Hafen Dutch Harbor werden Schellfisch, Hering, Kabeljau und Krebse angeliefert. Am 15. Jänner beginnt traditionell die Fangsaison für seltene Kurzschwanz-Krebse.

Das unter malaysischer Flagge fahrende Schiff "Selendang Ayu" befand sich auf dem Weg von Seattle nach China. In der vergangenen Woche war der Frachter in stürmischer See auf Grund gelaufen und in zwei Teile gebrochen. Beim Absturz eines Rettungshubschraubers kamen sechs Seeleute ums Leben.(APA)

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    1.400 Tonnen Öl hat der Frachter "Selendang Ayu" geladen

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