Jelineks "Bambiland" in Buchform

15. Dezember 2004, 12:50
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Erste Veröffentlichung nach Nobelpreis

Wien - In den Buchhandlungen stapeln sich Taschenbücher mit Elfriede Jelinek-Titeln. "Die Klavierspielerin", "Lust" und "Gier" verkaufen sich wie nie zuvor. Nun ist auch ein neues Buch (bei Rowohlt: 272 Seiten; 15,40 Euro) dazugekommen, dessen Inhalt nur teilweise neu ist: "Bambiland" wurde vor einem Jahr im Burgtheater uraufgeführt - wenngleich Jelineks Text in Christoph Schlingensiefs Inszenierung nur mehr rudimentär vorhanden war. Auch zwei der drei Teile von "Babel", das Nicolas Stemann im kommenden Frühjahr in Wien uraufführen soll, sind in Zürich bereits zu sehen gewesen.

Irm, Margit, Peter

"Attabambi-Pornoland - Die Reise durchs Schwein" hieß die im Februar herausgekommene Produktion des Schauspielhauses Zürich, und erst bei der Lektüre der Monologe für die Schauspielerinnen Irm Hermann und Margit Carstensen lässt sich die damalige Aufregung um Pornografie-Vorwürfe und die Freigabe des Stückes nur für Zuschauer ab 18 Jahren verstehen.

Die Texte "Irm sagt" und "Margit sagt" verweben Porno- und Kriegsindustrie, Gewalt- und Inzestfantasien. Konkret auf den Irak-Krieg und seine mediale Bebilderung nimmt der wesentlich längere Monolog "Peter sagt" Bezug. Hier sind vor allem die Folterbilder aus Abu Ghraib die Folie für die alle Dämme brechende Sprachflut, deren Anspielungen zwischen Medien und Mythologien hin- und herspringen.

Ergänzt wird das Buch mit Fotos aus der Burgtheater-Aufführung von "Bambiland", einem längeren Essay von Bärbel Lücke, die vor allem Bezüge zu dem kürzlich gestorbenen Französischen Philosophen Jacques Derrida herstellt, aber auch mit einem Vorwort von Christoph Schlingensief. Unter dem Titel "Unnobles Dynamit" beschäftigt er sich mit der "Staatsfeindin und Störenfriedin" Elfriede Jelinek, die von einer "Sucht nach dem Drauf- und Dahinterschauen" getrieben sei.

Am 12. und 13. Jänner (18 Uhr) gastiert übrigens Schlingensiefs "ATTA ATTA"-Produktion der Berliner Volksbühne quasi als Vorspiel zu dem jeweils am gleichen Abend folgenden "Bambiland" im Wiener Burgtheater. (APA)

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