Kaspersky: Schnelligkeit im Kampf gegen Virenschreiber

7. Februar 2005, 14:01
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"Etwas Paranoia gehört dazu" - Der Virenspezialist Kaspersky Lab macht sich mit einer Portion Hemdsärmeligkeit auch im Westen einen Namen

Wenn Eugene Kaspersky hinter seinem Rechner sitzt, erwacht sein Jagdinstinkt. "Wer ist der Schnellste?", ruft er in den Raum, der voll gestopft ist mit jungen russischen Computerspezialisten. Es geht darum, den neuesten Virus, Wurm oder Trojaner, der eben im Web aufgetaucht ist, zu analysieren. Auf dass möglichst schnell ein Schutzprogramm dafür geschrieben und an die Kunden von Kaspersky verteilt werden kann.

Schnelligkeit

Der Virenspezialist mit Sitz am Moskauer Nordrand ist stolz darauf, schnell zu sein. Sehr oft schneller als die große Konkurrenz aus dem Westen. "Wir wollen die Ersten sein, die einen neuen Schädling ausfindig machen. Das gelingt uns nicht immer, aber sehr oft." Beim I-Worm.MyDoom.m, einem im Sommer aufgetretenen Wurm, dauerte dieser Prozess 17 Minuten. Und nach 62 Minuten hatten die Kunden eine genaue Beschreibung des Schädlings in ihrem E-Mail-Postfach.

Hochburg der Virenschreiber

In Moskau professionellen Virenschutz zu betreiben entbehrt nicht der Pikanterie, wird Russland doch als eine Hochburg der Virenschreiber angesehen. "Nicht wahr", sagt Eugene Kaspersky, "das Phänomen ist international." Kommende Web-Bedrohungen würden schwieriger zu handhaben sein, meint er, der sich selbst als "ein bisschen paranoid" bezeichnet: Nach den international stattgefundenen Verhaftungen von Virenschreibern käme die Bedrohung nicht mehr so sehr von "Hooligans, die das Web lahm legen wollen". Vielmehr seien es Kriminelle, die das Web entdecken. Sei es, um auszuspionieren, sei es, um User um Geld zu erleichtern.

Dennoch würde er sich nie einen Virenschreiber in die Firma holen, "denn so etwas zu machen ist einfach, aber Schutzmaßnahmen zu entwickeln ist kompliziert." Allerdings ist der Bedarf an gut ausgebildeten Computerspezialisten in Moskau noch relativ leicht zu stillen. Und die brauchen die Kasperskys, denn die auftretenden Schädlinge werden immer komplizierter und bestehen aus einem Mix verschiedener Varianten.

Strikte Aufgabenteilung

Die Aufgabenteilung des geschiedenen Paares ist strikt: Natalya ist für Finanzen und Marketing zuständig, Eugene für die Technik. "Wenn wir weiter wachsen wollen, brauchen wir mehr Abnehmer im Westen", erklärt Natalya. "Hier haben wir die meisten großen Firmen und Ministerien als Kunden." Auch die Hereinnahme eines Investors - "ständig klopft einer bei uns an" - oder ein Börsengang wären möglich. "Solange es geht, machen wir so weiter", sagt Eugene, der einen familiären Führungsstil pflegt. Längst gelten beide als Vorzeigeunternehmer im von "Old Economy" dominierten Russland.(Johanna Ruzicka aus Moskau/DER STANDARD, Printausgabe vom 15.12.2004)

  • Natalija und Eugene Kaspersky
    quelle: kaspersky lab

    Natalija und Eugene Kaspersky

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