Iran: Todesurteil gegen geistig behinderte Frau

16. Dezember 2004, 19:10
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Anklage wegen "Unkeuschheit" - Außenministerin Plassnik will bei EU-Rat diplomatischen Protest einfordern

Wien - Außenministerin Ursula Plassnik (V) hat im Namen der Republik Österreich - und nach Aufforderung von SPÖ-Frauensprecherin Heinisch-Hosek das Todesurteil gegen eine geistig behinderte junge Frau im Iran heftig kritisiert: "Ich verurteile die Vorgangsweise der iranischen Justiz im Fall Leyla M. Ich bin bestürzt über dieses schockierende Beispiel der Missachtung der Menschenrechte im Iran", wird die Außenministerin in einer Presseaussendung vom Mittwoch zitiert.

Österreich werde bei der zuständigen Arbeitsgruppe des EU-Rates eine Demarche (diplomatischer Protest, Anm.) einfordern, um den internationalen Druck in dieser Angelegenheit zu erhöhen. Der Fall werde von Österreich genauestens verfolgt, versicherte Plassnik.

SPÖ-Frauen- und Gleichbehandlungssprecherin Gabriele Heinisch-Hosek hatte sich zuvor ebenfalls empört über das Todesurteil gegen die heute 19-Jährige gezeigt und hatte die Regierung aufgefordert, umgehend sämtliche diplomatische Mittel einzusetzen, "um diesem unfassbaren Unrecht Einhalt zu gebieten".

Bereits als Kind sei Leyla M. zur Prostitution gezwungen worden. Im Alter von 18 Jahren wurde sie verurteilt. Die junge Frau habe inzwischen alle Rechtsmittel ausgeschöpft. Ihr werde unter anderem vorgeworfen, Sex mit Verwandten gehabt und außereheliche Kinder, teilweise nach Vergewaltigungen, zur Welt gebracht zu haben. Mehrmals sei sie von ihrer Familie an andere Männer verkauft worden. (APA)

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