Unternehmen erklärt sich zahlungsunfähig

16. Dezember 2004, 20:20
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Zwangsversteigerung von Öl-Tochter soll verhindert werden

Houston/Moskau - Der russische Ölkonzern Yukos hat sich in den USA für zahlungsunfähig erklärt. Wie Yukos am Mittwoch in Houston im US-Bundesstaat Texas erklärte, wurde Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Konkursrechtes beantragt. Damit solle die für Sonntag geplante Zwangsversteigerung der wichtigsten Produktionstochter Yuganskneftegas noch verhindert werden.

Durch den Verkauf von Yuganskneftegas würde dem Konzern "ein direkter und irreparabler Schaden" entstehen, argumentierte Yukos nach eigenen Angaben gegenüber den US-Konkursrichtern. Deshalb habe das Unternehmen eine "Umstrukturierung" nach dem US-Insolvenzrecht beantragt. Yukos wies darauf hin, dass die US-Gesetzgebung eine "weltweite Rechtsprechung" ermögliche und die Gruppe nach einer Möglichkeit suche, die Investitionen seiner Aktionäre zu schützen.

Zwangsversteigern

Die russische Regierung will am 19. Dezember einen Großteil (76,8 Prozent) der wichtigste Ölfördertochter von Yukos zwangsversteigern. Mit dem Verkauf sollen ausstehende Steuerforderungen von über 26 Mrd. Dollar (über 19,5 Mrd. Euro) beglichen werden. Yuganskneftegas produziert täglich eine Million Barrel Öl und steuert damit rund 60 Prozent der Yukos-Produktion bei. Nach ihrem Verkauf droht Yukos nach eigenen Angaben das Aus.

Yukos wird in Russland auch als Opfer eines Machtkampfes zwischen der Regierung und Konzerngründer Michail Chodorkowski gesehen. Vom Staat wurden die Steuerforderungen erst geltend gemacht, nachdem Chodorkowski versucht hatte, politischen Einfluss zu erlangen und sich offen gegen Kreml-Chef Wladimir Putin gestellt hatte. Chodorkowski sitzt seit gut einem Jahr in Haft. Der Kreml weist politische Motive in der Yukos-Affäre dagegen zurück. (APA)

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