"Österreich nicht im Blickpunkt der Billigflieger"

15. Dezember 2004, 11:08
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Experte: "Bratislava wird das Einfallstor nach Wien" - Engagement um Flughafen Bratislava als "Verteidigungszug" nachvollziehbar

Wien - "Österreich steht noch nicht im Blickpunkt der Billigflieger", ist Luftfahrtexperte Dieter Schneiderbauer von Mercer Management Consulting überzeugt. Eine Ursache dafür seien die vergleichsweise hohen Gebühren am Flughafen Wien-Schwechat. "Billigflieger suchen günstige Flughäfen in der Nähe großer Städte oder bedeutender Wirtschaftszentren", so Schneiderbauer. Linz oder Graz würden diese Anforderungen nur zum Teil erfüllen. Wien wäre interessant, die verlangten Flughafengebühren seien aber vielen Airlines zu teuer, meint der Experte.

Als Alternative biete sich der grenznahe slowakische Flughafen Bratislava/Pressburg an. Weil die Slowakei aber noch nicht dem "Schengenraum" - samt Wegfall der Grenz- und Zollkontrollen - angehöre, sei dieser Standort bisher noch vergleichsweise aufwändig. Zudem sind auch die Verkehrsverbindungen zwischen Wien und Bratislava noch nicht optimal ausgestaltet.

Bratislava "Einfallstor nach Österreich"

"Bis die Slowakei dem Schengenraum angehört, wird Wien vor Billigfliegern relative Ruhe haben, ebenso die AUA", ist Schneiderbauer überzeugt. Dann allerdings dürfte Bratislava "das Einfallstor nach Österreich" werden. Vor diesem Hintergrund seien die Bemühungen des Flughafen Wien und der AUA, bei der Privatisierung des staatlichen Flughafens Bratislava zum Zug zu kommen, gut nachvollziehbar: "Das ist ein strategischer Zug zur Verteidigung, um eine Bedrohung im Kerngeschäft abzuwehren", so Schneiderbauer. Er weist allerdings darauf hin, dass Fluggesellschaften noch nie langfristig einen Flughafen betrieben hätten.

Derzeit befinde sich die Billigflieger-Branche zwar in ganz Europa noch im Aufwind, doch für neue Markteintritte ist es schon zu spät: "Der Zug ist abgefahren", hält der Experte fest. Alle Billigflieger seien von den hohen Kerosinpreisen getroffen worden.

Spätstarter zahlen drauf

Gesellschaften, die jetzt noch in den Markt einsteigen wollten, müssten dies sehr teuer bezahlen, wie das Scheitern von V-Bird, Duo Airways oder Air Polonia zeige. "Die Eintrittshürden werden höher", es werde immer schwieriger, ein Netzwerk, einen Markennamen, einen effizienten Vertrieb aufzubauen. Niki Laudas "Niki" profitiere wesentlich von seiner Vertriebspartnerschaft mit der deutschen Air Berlin.

Auch jene Gesellschaften, die schon länger am Markt sind, aber operativ noch nicht profitabel operieren könnten, hätten "ein Problem", so Schneiderbauer. Problematisch seien auch gemischte Geschäftsmodelle, wenn es nicht gelinge, nachhaltig zu Kosten unter 80 bis 90 Euro je Sitzplatz zu produzieren. Das Modell, Billigflug mit Komfort zu verbinden, sei bisher stets gescheitert. Kunden verlangten immer stärker nach effizientem Transport, "eine Stunde Flug ist nicht viel anders als Busfahren in der Luft", meint Schneiderbauer. Hier kenne der Markt "keine Toleranz".

Noch nicht wirklich reif für die Billigflieger sieht Schneiderbauer die Region Osteuropa. Das bestätige auch die Strategie von Ryanair, die die neuen EU-Länder "nur punktuell" bedienen will. Voraussetzung sei noch eine wesentliche Steigerung der Kaufkraft in der gesamten Region.(APA)

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