Alle zwei Tage ein unnatürlicher Todesfall in britischem Gefängnis

15. Dezember 2004, 19:34
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Parlamentsausschuss fordert Lösung für Haftanstalten

In britischen Gefängnissen stirbt etwa jeden zweiten Tag ein Insasse eines unnatürlichen Todes. Wie aus einem am Dienstag veröffentlichten Bericht des Menschenrechtsausschusses des britischen Parlaments hervorgeht, begingen zwischen 1999 und 2003 insgesamt 434 Häftlinge Selbstmord, das entspricht etwa einem Selbstmord alle vier Tage. Hinzu kämen Morde durch Mitinsassen oder Todesfälle infolge von Zwangsmaßnahmen.

"Jeden zweiten Tag wird jemand getötet, nimmt sich jemand das Leben oder stirbt jemand unter sonstigen fragwürdigen Umstanden", heißt es in dem Bericht. "Das ist schockierend." Dem Bericht zufolge sterben jedes Jahr rund 80 geistig behinderte Gefangene eines unnatürlichen Todes. Im Jahr 2003 nahmen sich 80 Männer und 14 Frauen in britischen Gefängnissen das Leben.

"Extrem verletzliche Menschen"

Die Ausschussvorsitzende Jean Corston von der regierenden Labour-Partei sagte, in den Haftanstalten säßen zahlreiche "extrem verletzliche Menschen", von denen viele eine lange Geschichte von psychischen Krankheiten, Drogen- und Alkoholproblemen hinter sich hätten. "Diese hoch verletzlichen Menschen werden in einer Struktur festgehalten, die eindeutig schlecht geeignet ist, ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen." Corston kritisierte zudem die Zahl der Inhaftierten: "Die Zahl der Verbrechen geht zurück, aber wir haben immer mehr Menschen in den Gefängnissen", sagte sie. Der Ausschuss forderte die politisch Verantwortlichen auf, Experten mit der Lösung der Probleme in den Haftanstalten zu beauftragen. (APA/AFP)

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