Kinder leben auf größerem Fuß

15. Dezember 2004, 19:34
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Studie: 69 Prozent der Kinder tragen zu kleine Straßenschuhe. Bei den Hausschuhen sind es gar 88 Prozent

Kinderfüße werden häufig in zu kleine Schuhe gequetscht. Wie nun wirklich passendes Schuhwerk gefunden werden kann, darüber wurde kürzlich bei dem Symposium "Kinderfüße - Kinderschuhe" in Salzburg diskutiert. Als Basis dienten die Ergebnisse eines Forschungsprojektes, die der Salzburger Sportwissenschafter Wieland Kinz Ende vergangenen Jahres veröffentlichte.

Die Ergebnisse der repräsentativen Untersuchung an 858 Mädchen und Buben zwischen drei und sechseinhalb Jahren lassen aufhorchen: 69 Prozent der Kinder tragen zu kleine Straßenschuhe. Bei den Hausschuhen sind es gar 88 Prozent.

98 Prozent aller Menschen beginnen ihr Leben mit gesunden Füßen. Auf solchen steht aber laut dem Orthopäden Christian Klein nur noch die Hälfte aller Erwachsenen. Bereits im Kindergarten leiden drei Viertel der heimischen Kinder unter abgeknickten und schräg gestellten Großzehen. Die permanente Stauchung der Zehen kann darüber hinaus zu Muskelverkürzungen, Gelenksentzündungen, Durchblutungsstörungen sowie Beeinträchtigungen des gesamten Bewegungsapparates führen.

"Die Schuhbranche verschläft die Entwicklung offenbar"

Die bevorzugte Methode zur Feststellung der richtigen Größe, nämlich die Kleinen zu befragen, hält Kinz für wenig sinnvoll: "Das Nervensystem von Kindern ist nämlich noch nicht so differenziert entwickelt, um zu kurze Schuhe auch tatsächlich als zu kurz erkennen zu können."

Ein weiteres beliebtes Verfahren beim Schuhkauf ist ebenso wenig verlässlich: Im Rahmen der Untersuchung wurde bei 631 Paar Straßenschuhen die angegebene Schuhgröße mit der tatsächlichen Innenlänge verglichen. Das Ergebnis sorgt einigermaßen für Überraschung, waren doch nur ganze 19 Schuhe richtig ausgezeichnet. Die meisten Schuhe stellten sich als zu kurz heraus. Wo Größe 27 drauf steht, ist meist nur 26 oder 25 drinnen.

Kinz: "Die Schuhbranche verschläft die Entwicklung offenbar." Das von ihm entwickelte Messgerät "plus 12", mit dem sich gleichzeitig Fußlänge und Innenlänge von Schuhen bestimmen lässt, kann bisher nur in den Filialen von Reno und Vögele benutzt werden. (dog/DER STANDARD; Printaugabe, 15.12.2004)

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