Janukowitsch forderte angeblich Gewalteinsatz

16. Dezember 2004, 17:00
12 Postings

Beurlaubter ukrainischer Ministerpräsident weist Bericht zurück

London/Kiew - Während der Proteste der Opposition in der Ukraine haben einflussreiche Vertreter des Machtapparates in Kiew nach Angaben der britischen Tageszeitung "Financial Times" den Präsidenten zum Einsatz von Gewalt gedrängt. Unter anderen habe der nunmehr beurlaubte Ministerpräsident Viktor Janukowitsch versucht, Präsident Leonid Kutschma zum Einsatz von Soldaten gegen die Demonstranten zu bewegen, berichtete die Zeitung am Dienstag unter Berufung auf Regierungsvertreter in Kiew.

Neben Janukowitsch habe auch der Chef der Präsidialverwaltung, Viktor Medwedschuk, dafür plädiert, mit Gewalt gegen die Anhänger von Oppositionsführer Viktor Juschtschenko vorzugehen. Der scheidende Staatschef habe sich dem Druck jedoch nicht gebeugt, da er um seinen Ruf besorgt gewesen sei. Kutschma habe seine Amtszeit nicht mit Blut an den Händen beenden wollen, berichtete die "FT".

"Falsch"

Janukowitsch wies den Bericht als "falsch" zurück. Er sei an solchen Diskussionen nicht beteiligt gewesen, sagte er in Kiew. "Wir haben nicht über einen Gewalteinsatz gesprochen, sondern lediglich über die Wiederherstellung der Ordnung", betonte Janukowitsch.

Die Opposition hatte mit ihren Protesten eine Wiederholung der von Betrugsvorwürfen überschatteten Stichwahl um die Präsidentschaft am 26. Dezember erzwungen. Nach dem umstrittenen Wahlgang vom 21. November war Janukowitsch zunächst zum Sieger über seinen Rivalen Juschtschenko erklärt worden. Internationale Beobachter monierten jedoch massiven Wahlbetrug. (APA)

Share if you care.