Motorrad und alte Klone

31. Oktober 2005, 10:33
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Für einen Blaufränkisch Kabinett erhielt Familie Wellanschitz 1965 einen Preis. Die Leitsorte der Region steht heute noch im Zentrum ihres Interesses

Ein sozusagen Blaufränkisch-zentriertes Weltbild präsentiert Christine Wellanschitz vom Donatus-Weingut in Neckenmarkt. Natürlich gebe es auch andere Rebsorten wie Zweigelt, Cabernet Sauvignon und Syrah. Aber "mehr als 80 Prozent aller Stöcke sind Blaufränkisch". Denn das Mittelburgenland sei sowohl geologisch wie auch klimatisch optimal für diese Rebsorte, so Wellanschitz. "Dazu gibt es genug Ressourcen an wertvollen alten Klone, die wir natürlich verwerten möchten."

Cabernet & Co

Bewirtschaftet werden 24 Hektar nach den Prinzipien der "kontrolliert integrierten Produktion" (biologischer Dünger, Schädlings-Nützlings-Wirtschaft). Bei den Böden dominiert Lehm mit einer Auflage von Schiefer. Nur "Rüsselgrund" ist eher steinig, hat einiges an Muschelkalk aufzuweisen und eignet sich daher vor allem für Cabernet Sauvignon. Pinot Noir habe man in Raga, der besten Lage im Nachbarort Raiding, dem Geburtsort von Franz Liszt, versucht. Er habe sich "zwar als Wein, aber nicht als Pinot Noir bewährt. Daher werden wir 2005 auch dort Blaufränkisch setzen".

Die Brüder Stefan und Georg, beide Absolventen der Weinbauschule Eisenstadt, sind die Kellermeister, Christine, mit Stefan verheiratet, kümmert sich um Marketing, Verkauf, Buchhaltung und veranstaltet als Weinakademikerin auch Verkostungsseminare am Weingut. Sie kommt ursprünglich aus Raiding, ",meine Mutter aus Unterpetersdorf, und Verwandte haben wir überall. Das heißt unsere Weingärten sind relativ verstreut über die Region". Was in einer Gegend, die "etwas Hagel-exponiert" ist, von großem Vorteil sein kann.

Wellanschitz war einer der ersten Betriebe, wo man für den Kellerausbau Architekten engagierte. Was umso näher lag, als Christines Schwester der weibliche Teil des Architektenteams gernergernerplus ist, die auch für den neuen Weinkeller von Leo Hillinger in Jois verantwortlich waren.

Nächstes Frühjahr steht ausgiebiges Feiern ins Haus. Anlass ist das 40-Jahr-Jubiläum der ersten großen Goldmedaille, die 1965 in Krems errungen wurde. Siegerwein damals: ein Blaufränkisch Kabinett Jahrgang 1962, trocken ausgebaut. Mit dem Jahrgang 2003 wird das Weinprogramm etwas gestrafft: Es wird drei klassische ausgebaute Weine geben und drei Barrique-Weine, die durch eine "verfeinerte" Etikettenlinie gekennzeichnet werden. (DER STANDARD, Printausgabe vom 15.12.2004)

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