Weitere Zinserhöhung in den USA

22. Dezember 2004, 11:33
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Beim längst eingepreisten Zinsschritt der US-Notenbank wird es nicht bleiben, sagen heimische Experten. Die EZB dürfte hingegen weiter bei ihrer abwartenden Politik bleiben

Wien - Die amerikanische Zentralbank erhöhte am Dienstag, wie von Analysten erwartet wurde, den Leitzins um einen viertel Prozentpunkt auf 2,25 Prozent. Mit dem Zinsschritt liegen die US-Zinsen erstmals seit mehr als drei Jahren wieder höher als in der Euro-Zone. Die Fed bekräftigte, die weiter lockere Geldpolitik auch künftig in einem "maßvollen Tempo" straffen zu wollen.

Seit Juni war dies die fünfte Anhebung in Folge. Damit will die Fed Inflationsgefahren begegnen. Die US-Wirtschaft wächst deutlich schneller als die europäische. Ein rasches Mitziehen der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt wird daher nicht erwartet.

"Ein klares Nein" kam diesbezüglich von Gerhard Winzer, Währungsspezialist bei der Bank Austria Creditanstalt. Im Gegenteil: Der Experte erwartet zwar eine weitere Zinsanhebung der Fed schon bei ihrer nächsten Sitzung im Februar - abermals um 0,25 Prozentpunkte. Doch die EZB werde zumindest im nächsten halben Jahr beim aktuellen Zinsniveau von zwei Prozent bleiben. Markus Marterbauer vom Wirtschaftsforschungsinstitut erwartet sogar "keine Änderung" der EZB-Politik "bis Ende 2005".

Das derzeit größte konjunkturelle Problem Europas, die Euro-Aufwertung gegenüber dem US-Dollar, wäre eher ein Argument für eine Zinssenkung, so Marterbauer. Dazu kommt, dass allerorts ein weiterer Euro-Kursanstieg erwartet wird. Winzer: "1,40 zum Dollar kann man sicher sehen, vielleicht sogar 1,50", obwohl man angesichts der derzeitigen Spekulationen fast jeden Wert nennen könne.

Grund genug jedenfalls, die Wachstumsprognosen für 2005 nach unten zu revidieren, wie zuletzt von der Nationalbank. Am 22. Dezember wird dies auch vom Wifo erwartet. Im Oktober hatte das Wifo noch ein Wachstum von 2,5 Prozent für 2005 vorhergesagt, dabei wird es nicht bleiben. Marterbauer sagte, noch ohne die neuen, konkreten Werte zu nennen: "Durch die Euro-Entwicklung ist das konjunkturelle Umfeld schlechter geworden." (Michael Bachner/APA/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.12.2004)

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