Deutsche Bahn plant massiven Stellenabbau

23. Dezember 2004, 19:42
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9000 Jobs sind nächstes Jahr gefährdet - Hauptlast soll der Personenverkehr tragen

Am Dienstagnachmittag trafen sich Vertreter der Unternehmensleitung der Deutschen Bahn und Gewerkschafter zu einer entscheidenden Gesprächsrunde. Schon vorab sickerte durch, dass massiv Stellen gestrichen werden sollen. Laut Medienberichten sollen bereits 2005 insgesamt 9000 Jobs abgebaut werden.

Demnach müsse der Personenverkehr mit 3600 gestrichenen Posten die Hauptlast tragen. In den ICE und IC würden rund 300 Zugbegleiter betroffen sein, in den Reisezentren etwa 500 weitere Mitarbeiter. In der angeschlagenen Schienen-Güterverkehrssparte Railion sollen 1700 Stellen abgebaut werden und damit weniger als geplant.

"Veteranenregelung"

Mitarbeiter, die länger als fünf Jahre beschäftigt waren, sollen nicht von betriebsbedingten Kündigungen betroffen sein. Als Gegenleistung für diese bahnintern bereits "Veteranenregelung" genannte Zusage sollen die Arbeitszeiten aller Mitarbeiter - je nach Tätigkeit in unterschiedlichem Maße - erhöht werden. Damit sollen die Arbeitskosten des Konzerns um 5,5 Prozent reduziert werden.

In Unternehmenskreisen hieß es, insgesamt würden im Konzern sogar 11.400 Stellen gestrichen. Allerdings würden auch 2400 neu geschaffen. Der Konzern hat derzeit mitsamt der Fracht-Tochter Stinnes 242.000 Beschäftigte. Vor zehn Jahren waren es ohne Stinnes noch über 340.000 gewesen.

Servicezentren geschlossen

Die Unternehmensführung setzt verstärkt darauf, dass Reisende in zunehmendem Maße für den Kartenkauf Automaten am Bahnsteig oder das Internet nutzen. Daher werden die Mitarbeiter an den Schaltern reduziert, die Öffnungszeiten eingeschränkt oder Servicezentren ganz geschlossen. Zusätzlich wird erwogen, Fahrscheine auch über Agenturen etwa in Supermärkten anzubieten. Die Deutsche Bahn will ab 2005 wieder Gewinn machen und strebt mittelfristig den Gang an die Börse an. (Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.12.2004)

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