Wort des Jahres 2004 ist "Pensionsharmonisierung"

15. Dezember 2004, 01:00
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Wie bereits im letzten Jahr macht ein Begriff rund um die Pensionsreform das Rennen

Wien - Die Wahl zum "Wort des Jahres 2004" ist auf "Pensionsharmonisierung" gefallen. Wie bereits im Jahr 2003 - damals lautete es "Hacklerregelung" - wurde damit ein Begriff aus der Diskussion rund um die Pensionsreform gewählt. Seit 1999 eruiert eine Fachjury rund um Univ.-Prof. Rudolf Muhr vom Institut für Germanistik der Universität Graz in Kooperation mit der APA - Austria Presse Agentur Österreichs Wort und Unwort des Jahres. Ein Blick in die vergangenen fünf Jahre zeigt, was die Österreicher seit 1999 bewegte.

Kriterium bei der Wahl zum "Wort des Jahres" ist, dass es die öffentliche Diskussion in Österreich geprägt hat. Für das "Unwort" gilt, dass ein Missverhältnis zwischen Wort und Sache oder ein beschönigender, bürokratischer und herabwürdigender Sprachgebrauch gegeben sein soll.

Aus dem politischen Bereich

Mit "Sondierungsgespräche" wurde 1999 zum ersten Mal ein österreichisches Wort des Jahres gewählt. Es war charakteristisch für die vorherrschende politische Situation und trat im Kontext der Regierungsbildung durch den damals amtierenden Bundespräsidenten Thomas Klestil auf. "Schübling" als Unwort des Jahres 1999 stammt aus der Polizeisprache und drücke eine Verniedlichung und Entpersonalisierung der so bezeichneten Person, des Schubhäftlings, aus, hieß es in der Begründung der Jury.

Auch im folgenden Jahr entstammte das "Wort des Jahres", nämlich "Sanktionen", dem politischen Bereich und hatte die Innenpolitik und die europäische Politik gegenüber Österreich von Mitte Februar bis weit in den Herbst hinein dominiert, so Muhr in der damaligen Begründung. Zum Unwort wurde "soziale Treffsicherheit" auf Grund seiner negativen Mehrdeutigkeit gewählt.

Negativ-Jargon

2001 fiel die Wahl auf "Nulldefizit", ein Wort, das damals ein zentraler Begriff in der innenpolitischen Diskussion war. Das Unwort 2001, "Nichtaufenthaltsverfestigte", wurde als Steigerung der Bezeichnung "Schübling" qualifiziert. Die Jury sah dieses Wort als charakteristisch für den amtsdeutschen Negativ-Jargon, der in Österreich nicht nur gegenüber Ausländern, sondern auch gegenüber sozialen und ethnischen Minderheiten verwendet würde.

"Teuro" stand im Jahr 2002 für die besondere Wirkung der Euro-Bargeldeinführung, die sich in jenem Jahr deutlich abzeichnete. Zum Unwort wurde der Begriff "Rücktritt vom Rücktritt" erkoren. Er beschreibe die Folgenlosigkeit des öffentlichen Handelns von Politikern und den Verlust an Ernsthaftigkeit im politischen Geschehen, hieß es in der Begründung. Ein Bezug zum Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (F) wurde nicht explizit hergestellt. Erstmals wurde in diesem Jahr auch ein "Spruch des Jahres" ermittelt, nämlich das zu einem geflügelten Wort avancierte "Bin schon weg - bin schon wieder da!"

In den Jahren 2003 und 2004 spielte die Pensionsreform eine entscheidende Rolle bei der "Wort des Jahres"-Wahl. "Hacklerregelung" wurde heuer von "Pensionsharmonisierung" abgelöst und die "Besitzstandswahrer" als Unwort von "Bubendummheiten". Der Ausspruch des Jahres "Kinder statt Partys" entstammte im vergangenen Jahr einer Äußerung von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) - heuer erhielt eine Schlagzeile aus der "Kleinen Zeitung" die Ehre, nämlich: "Der Glücksfall namens PISA: Endlich ist Bildung ein Thema". (APA)

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