Handicaps vor dem Start

30. Dezember 2004, 17:55
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Seit Tagen sickern in den US-Medien immer neue kompromittierende Details über Bernard Kerik durch - von Christoph Winder

Seit Tagen sickern in den US-Medien immer neue kompromittierende Details über Bernard Kerik durch. Der Leider- nein-Heimatschutzminister von George W. Bush hat nicht nur ein illegal im Lande weilendes Kindermädchen steuerfrei für sich arbeiten lassen, sondern auch sonst eine überaus bunt schillernde Lebensgeschichte: Kerik pflegte Geschäftsbeziehungen zu einer Firma mit Mafia-Kontakten, hatte einen Trauzeugen, der der Erpressung verdächtigt wird, sowie ein angeblich reges außereheliches Sexualleben. Letzteres sollte eigentlich Keriks Privatsache bleiben, doch für die amerikanische Öffentlichkeit, die sich monatelang hingebungsvoll in den Fall Clinton/Lewinsky vertieft hat, wird sich wohl auch dies als ein weiterer Stein in das Kerik-Charakterpuzzle fügen.

Kerik ist sicher nicht der erste Polizeichef der Welt, dessen Erfolge durch ein einfühlsames Naheverhältnis zur Halbwelt beflügelt wurden, und nachdem seine Beförderung in den Ministerrang ohnehin geplatzt ist, wird sich auch der Schaden der ganzen Affäre für die nationale Sicherheit der USA in Grenzen halten. Umso giftiger ist freilich ihr politischer Fallout. Keriks Mentor Rudy Giuliani, der ehemalige New Yorker Bürgermeister, sieht in diesen Tagen seinen Bonus als 9/11-Krisenmanager, den er als Kandidat bei den Präsidentschaftswahlen 2008 gut gebrauchen könnte, rapide dahinschwinden.

In geringerem Maß ist aber auch George W. Bush betroffen, zumal die Causa Kerik zeitgleich mit heftigem politischem Ärger wegen einer neuen Fehlleistung von Verteidigungsminister Rumsfeld einherkommt: Der kaltschnäuzige Umgang des Pentagon-Chefs mit Soldaten, die Kritik an der Kriegführung im Irak übten, hat nun auch mehrere einflussreiche Senatoren in offenen Aufruhr versetzt. Mit den Fällen Kerik und Rumsfeld liegen Bush jedenfalls schon vor seinem zweiten offiziellen Start zwei ordentliche Handicaps im Wege. (DER STANDARD, Printausgabe, 15.12.2004)

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