Kopf des Tages: Der neue Wiener VP-Chef Johannes Hahn

15. Dezember 2004, 19:44
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Die innere Ruhe nach dem großen Kampf

"Er ist hochintelligent", attestiert ihm sein Vorgänger Bernhard Görg. Dann zögert er kurz und ergänzt: "Clever. Sehr clever." Mit hoher sozialer Intelligenz sei er überdies ausgestattet, "aber vielleicht ein bisschen zu ruhig. Eine Spur mehr Leidenschaft" würde er, Görg, dem neuen Wiener ÖVP- Spitzenkandidaten Johannes Hahn empfehlen.

Die Ruhe des 47-jährigen gebürtigen Wieners entspringt einem Kampf, der sein Leben wie wohl kaum etwas anderes formte: Hahn war mit 21 Jahren an Hodenkrebs erkrankt, seine letzte Chemotherapie hatte er 1999. "Das bringt eine gewisse Gelassenheit mit sich. Ich strebe nichts mit letzter Gewalt an. Ich sehe auch in jedem Nichterreichen eine gewisse Sinnhaftigkeit." Oft habe er Rückschläge hinnehmen müssen, "daraus entsteht das Bedürfnis, etwas zu schaffen".

Beruflich hat er bereits viel geschafft: "Ich war wirklich in der Privatwirtschaft." Zuletzt als Chef des Glücksspielkonzerns Novomatic mit 4000 Mitarbeitern.

Dass ihm das Glücksspielbusiness gelegentlich vorgehalten wird, versteht er nicht: "Dem Grünen-Bezirkschef Blimlinger wirft ja auch niemand vor, dass er Trafikant war" und Rauchwaren unters Volk brachte. Gleichzeitig ist Hahn schon lange im Politgeschäft. Vor der "Novo" war er viereinhalb Jahre Geschäftsführer der Wiener ÖVP. Wiederum davor Generalsekretär der VA Tech.

Dass ihn Parteigrenzen nicht abschrecken, kann man sogar an Hahns Freizeitverhalten ablesen. So erlebte etwa der Grüne Christoph Chorherr seinerzeit seinen ersten Segeltörn auf Hahns damaligem Schiff. "Er hat mich dazu gebracht, dass wir das ganze Starterfeld der Barcolana, der größten Regatta vor Triest mit zigtausenden Schiffen, gequert haben", lacht Hahn noch heute über den Trip.

Und: "Ich liebe es, mit meinem Sohn zum Handball zu gehen." Der spielt beim WAT- Margareten, den Aon Fivers. Hahn selbst ist bei diesem "roten" Verein Funktionär. "Mir ist das so was von egal, ob die rot oder schwarz sind. Die machen einfach die beste Nachwuchsarbeit."

So pflegt er auch im Job offene Parteikontakte. Mit den FP- Abgeordneten Landauer und Serles habe er "ein herzliches Verhältnis", mit Altobmann Hilmar Kabas "eine ordent^liche Gesprächsebene". Mit dem Fechten hat er's aber nicht. "Weder im eigentlichen noch im übertragenen Sinn", spielt er auf den aktiv schlagenden Burschenschafter? H. C. Strache an. Ihm ist jegliche gewaltsame Auseinandersetzung fremd.

Nur bei einer Frage denkt Hahn länger nach. Ob er, die liberale Hoffnung seiner Partei, auch konservativ sei? Schließlich lacht Hahn: "Wenn jemand das in mir zu erkennen glaubt, ist das höchstens Ausdruck meiner Bequemlichkeit. Im Gegensatz zu meiner Frau hasse ich das Umräumen in der Wohnung." (Roman David-Freihsl /DER STANDARD, Printausgabe, 15.12.2004)

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