Hamburger Terrorprozess: Zweifel an belastender Aussage

15. Dezember 2004, 16:54
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Behörden hatten angeblichen Warnanruf des Zeugen nicht registriert

Hamburg - Im Prozess gegen den mutmaßlichen Terrorhelfer Mounir El Motassadeq sind am Dienstag Zweifel an einer möglicherweise belastenden Zeugenaussage gewachsen. Ein Hamburger Gastwirt hatte vor dem Oberlandesgericht der Hansestadt behauptet, die späteren Todespiloten vom 11. September 2001 hätten im Beisein Motassadeqs die Attacken angedeutet. Daraufhin habe er das Bundeskriminalamt und den Bundesnachrichtendienst alarmiert. Ein solcher Anruf sei aber nicht registriert worden, teilten beide Behörden mit. Auch im Wachbuch der Hamburger Polizei habe sich kein entsprechender Eintrag gefunden.

Der Zeuge hatte von einem angeblichen Treffen der Todespiloten im Jänner 2001 in seinem Lokal berichtet, an dem auch der Angeklagte teilgenommen habe. Der mutmaßliche Chef der Hamburger Terrorzelle, Mohammed Atta, habe mit Blick auf die USA gesagt: "Wir werden ihre Symbole zerstören." Weiterhin verlas das Landgericht am Dienstag Urkunden zu Mohammed Atta. Dazu gehörten Studienzeugnisse, Mietverträge, Rechnungen und Angaben zu Reisebewegungen des Ägypters.

Der Marokkaner Motassadeq steht in der Neuauflage des weltweit ersten Prozesses um die Anschläge vom 11. September vor Gericht. Ihm werden Mitgliedschaft in einer Terrorgruppe und Beihilfe zum Mord vorgeworfen. Im Februar 2003 war Motassadeq zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf. (APA/dpa)

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